Freiwilligenarbeit Tansania

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanHey, ich bin Roman, 20 Jahre alt und ich war von Ende Mai bis Anfang August insgesamt 10 Wochen in Tansania und Kenia als Volunteer unterwegs, inklusive 3 Wochen Rundreise auf eigene Faust in Tansania. Ich komme aus der Nähe von Augsburg und habe 2017 mein Abitur gemacht. Danach war es schon immer mein Wunsch, ein wenig die Welt zu bereisen und mich dabei am besten noch sozial zu engagieren. Zusammen mit einer Freundin war ich bereits 3 Monate, von Oktober 2017 bis Januar 2018 als Volunteer in Thailand, was mir sehr gut gefallen hat. Das Ganze habe ich auch über „Multikultur“ gebucht und war mit dem Ablauf, sowohl seitens der Organisation hier vor Ort, als auch mit der Partnerorganisation in Thailand „Green Lion“ sehr zufrieden. Vor meinem Studium wollte ich nach Thailand unbedingt noch in ein anderes Land. Nach längerem hin und her habe ich mich dann schließlich für Tansania entschieden, da ich hier die Möglichkeit hatte, nochmal eine ganz neue Kultur und einen neuen Kontinent kennenzulernen.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanMeine Vorbereitungszeit war recht kurz (etwa 3 Wochen bevor ich geflogen bin) und somit zeitweise auch etwas chaotisch. Fangt lieber etwas früher an :) Welche Impfungen soll ich noch machen? Malariaprophylaxe Ja oder Nein? Reichen 4 Packungen Feucht – und Desinfektionstücher? Lange oder kurze Kleidungssachen? Koffer, Backpack oder beides? Kommen meine bestellten Sachen noch rechtzeitig? Und welche Fragen man sich eben vor so einem Auslandsaufenthalt stellt :D

Samstag, den 26.05.18 ging es früh morgens los zum Flughafen München. Nach einem kurzen Stopp in Amsterdam, saß ich auch schon im Flieger Richtung Tansania. Nach insgesamt 12 Stunden Flug kam ich abends am Kilimandscharo International Airport (JRO) an. Ich kann allen Volunteers, die zukünftig nach Tansania/Kenia reisen nur empfehlen: Schreibt auf den Zettel für die Einreise, den man im Flugzeug ausgehändigt bekommt als Grund der Reise „travelling“ oder „holidays“, jedoch niemals „volunteering“ , wenn ihr euch nach einer anstrengenden Reise eine einstündige Diskussion mit den Visabeamten ersparen wollt! Die erste Nacht habe ich in einem Hotel nahe dem Flughafen geschlafen. Am nächsten Morgen wurde ich von meiner Koordinatorin Neema abgeholt und zu meiner Unterkunft gebracht. Leider war zu dieser Zeit kein anderer Volunteer in Monduli, was ich sehr schade fand. Vor allem am Anfang ist es um einiges leichter, wenn noch andere Volunteers da sind, die man auch mal etwas fragen könnte. Auch in meiner Einführungswoche war ich alleine, da aber Neema wirklich extrem nett und immer bemüht war, fand ich das halb so wild. Auch die anderen Einheimischen waren alle immer sehr nett und höflich. Die Unterkunft in meiner ersten Woche war ziemlich luxuriös für afrikanische Verhältnisse, was mich ehrlich gesagt etwas überrascht hat. Ich hatte ein großes Einzelzimmer mit eigenem Bett und Bad. Wlan gab es leider keines, jedoch kann man sich in der kleinen Stadt eine lokale SIM-Karte holen, die nicht so teuer ist. Es dauert nur ein bisschen und man braucht etwas Geduld. In Afrika sollte man allerdings immer etwas mehr Zeit einplanen.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanAm nächsten Tag begann meine Einführungswoche mit einem Sprachkurs in der Landessprache „Kisuaheli“. Am Nachmittag sind wird durch Monduli gelaufen, um einen groben Überblick über Einkaufsmöglichkeiten usw. zu bekommen. Die Einheimischen freuten sich sehr, wenn man ein paar Wörter in Suaheli sprechen konnte und der Kontakt wird so schnell hergestellt. Am Dienstag fuhren wir mit einem der typisch tansanischen Kleinbusse „Dala Dala“ zu dem Snake Park in Meserani. Dort gab es neben den vielen Schlangen und anderen Reptilien noch ein Massai Museum. Zudem ist immer dienstags ein Massai Markt, wo vor allem Vieh gehandelt wird. Am Abend sind dann die zwei anderen niederländischen Volunteers von Sansibar zurückgekommen, wo sie über das Wochenende waren und wir haben zusammen „Chipsi mayai“ gekocht.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanAm Mittwoch stand der Tarangire Nationalpark auf dem Programm von dem ich mir persönlich einiges erwartet hatte. Früh morgens ging es los und nach etwa 3 Stunden Fahrt erreichten wir den Eingang zum Park. An sich war es ganz nett. Wir haben Elefanten, Zebras, Giraffen und noch einige andere Tiere gesehen. Leider waren in dem Park extrem viele Tsetsefliegen, die in Scharen in das Auto geflogen sind, wenn man gerade angehalten hatte, um sich in Ruhe die Tiere anzuschauen. Diese sehen aus wie die bei uns beheimateten Bremsen, können bei einem Stich jedoch die Afrikanische Schlafkrankheit übertragen. Ich kann nur empfehlen bei einem Besuch im Tarangire Nationalpark lange und eventuell stichsichere, imprägnierte Kleidung zu tragen. Das hält die Tiere zwar auch kaum ab, ist aber trotzdem der einzige halbwegs effektive Schutz gegen diese Fliegen. Zum Glück habe ich in meinen ganzen 10 Wochen in Afrika nur in diesem Park die Tsetsefliegen gesehen und die Wahrscheinlichkeit durch einen Stich infiziert zu werden ist auch eher gering. Trotzdem sollte man vorsichtig sein.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanAm Tag darauf fuhren Neema und ich nach Arusha, eine der größten Städte in Tansania, um dort in der Shopping Mall einzukaufen. Dort gibt es auch westliche Produkte. Ein paar Meter entfernt ist das „Cultural Heritage“, in dem man traditionelle tansanische Kunst kaufen kann. Die angebotenen Kunstgegenstände und Souveniers sind wirklich schön, allerdings bekommt man die meisten Sachen auf einem der lokalen Märkte deutlich preiswerter. Auf allen lokalen Märkten immer handeln! Nachmittags ging es zusammen mit Neemas Mann und den beiden anderen Volunteers in ein Massai Dorf, wo eine traditionelle Massai Zeremonie stattfand. Das war sehr interessant. Wir waren die einzigen weißen „Mzungus“ zwischen all den Massai in der typischen Massai Tracht. Am nächsten Tag bin ich dann nochmal alleine in das Dorf gefahren und habe mit einer der Frauen ein paar Armbänder gemacht. Die restliche Zeit bin ich im Dorf umhergelaufen und habe den Massai beim Tanzen zugeschaut. Für mich war die Massai Zeremonie das Highlight der Woche. Insgesamt ist die Einführungswoche ein guter Einstieg und hilft bei der Orientierung in dem fremden Land. Teilweise hat man allerdings recht viel Freizeit und diese könnte eventuell mit anderen Aktivitäten seitens der Organisation noch sinnvoll genutzt werden. Beispielsweise eine Wanderung in die Berge, die gleich hinter Monduli beginnen.

Am Sonntag startete ich zusammen mit einer Freundin aus Deutschland, die am Wochenende angekommen ist unsere knapp dreiwöchige Rundreise, auf die ich hier nur kurz eingehen möchte. Von Arusha aus planten wir eine dreitägige Safari durch den Serengeti und Ngorongoro Nationalpark. Anschließend fuhren wir mit dem Bus weiter nach Moshi, von dort sind wir am ersten Tag zu den Hot Springs und am zweiten Tag zu den Materuni Wasserfällen in der Nähe des Kilimandscharos gefahren. Der nächste Stopp war Lushoto in den Usambara-Bergen, wo wir eine 2-tägige Wandertour machten. Einen Tag übernachteten wir noch in Tanga, bevor wir von dort mit dem Flugzeug nach Sansibar geflogen sind. Auf Sansibar haben wir uns zwei Tage Stone Town angeschaut und danach ging es für die restlichen vier Tage in ein kleines Hotel an der Ostküste, um zu entspannen und das Meer zu genießen. Ich bin anschließend von Stone Town zurück nach Arusha geflogen. Von dort ging es mit dem Taxi zurück nach Monduli.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanIch kann jedem nur empfehlen Tansania auch noch auf eigene Faust zu bereisen, wenn man die nötige Zeit hat und im besten Fall noch einen Reisepartner. Die Zeit braucht man, da man durch die Busfahrten eigentlich immer einen Tag verliert, um von einem Ort an den nächsten zu kommen. Nachts reisen und abends oder nachts in den großen Städten rauszugehen, würde ich definitiv unterlassen. Auf Sansibar ist das wiederum kein Problem, da Sansibar sehr touristisch ist und man sich hier wirklich sicher fühlt. Falls man nicht so viel Zeit hat, kann man immer noch die Wochenenden nehmen, um Ausflüge zu organisieren. Falls man nach Sansibar möchte, macht es Sinn, vielleicht schon am Donnerstag oder Freitag loszufliegen und erst am Montag zurückzukommen und das Projekt an diesen Tagen auszusetzen. Das ist in der Regel kein Problem, wenn man der Koordinatorin vor Ort früh genug Bescheid gibt. Falls ihr noch Fragen zu der Rundreise, Ausflügen oder allgemein zu den Projekten habt, könnt ihr mir gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanZurück in Monduli, gab es dann erst mal ein Problem mit der Unterkunft, da diese der Regierung gehört und von der Organisation nur angemietet wurde. Die restlichen 3 Wochen in Tansania habe ich letztendlich zusammen mit der Familie meiner Koordinatorin in deren Haus gelebt. Was ich im Nachhinein eher als Vorteil sehe. Klar sind die Standards um einiges einfacher, aber wann hat man schon mal die Möglichkeit bei einer afrikanischen Familie zu leben und der Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung war auch nochmal um einiges enger.

Als nächstes stand für mich die Wildtierschutzwoche auf dem Programm. Zusammen mit einer spanischen Gruppe ging es in ein Massai Dorf in Emboreet. Die Gruppe war sehr nett und wir hatten viel Spaß. Das Programm an sich ist aber noch ausbaufähig. Wir sind jeden Tag an einen anderen Ort gelaufen. Zu einem Wasserspeicher, verschiedenen Massaidörfern oder irgendwo in die weite Steppe. Manchmal haben wir auch ein paar Tiere wie Gazellen, Strauße oder Gnus gesehen, das war aber eher die Ausnahme. Nach Rücksprache mit Carina von Multikultur wurde ich vor Ort allerdings wahrscheinlich in das falsche Programm gesteckt. Die spanische Gruppe hatte nämlich dieses Programm gebucht und ich war die ganze Woche mit den Spaniern gemeinsam unterwegs. Deshalb kann es gut sein, dass sich das von mir ursprünglich gebuchte Wildlife Project von meiner Erfahrung stark unterscheidet. In Afrika sollte man allerdings sowieso immer flexibel und offen für Neues sein.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania romanDie folgende Unterrichtswoche konnte ich zum Glück wieder mit einer anderen Freiwilligen machen, die am Wochenende angekommen ist. Zu zweit war es schon schwer genug die 60 Kinder in einer Klasse halbwegs ruhig zu halten. Schwierig war das ganze auch deshalb, weil kein Lehrer mit uns in der Klasse war und die Verständigung sowohl mit den Kindern als auch mit den Lehrern auf Englisch recht schwierig war. Das ist aber von Schule zu Schule unterschiedlich. Es schadet auch hier auf jeden Fall nicht, ein paar Wörter in Kisuaheli zu beherrschen. Wenn uns die Kinder zu unruhig wurden, sind wir mit ihnen raus gegangen und haben Fangen gespielt. Berührungsängste sollte man auch nicht haben, wenn man sich für die Teaching Woche entscheidet, denn die Kinder finden weiße Haut ganz toll.

Meine letzte Woche im Naturschutzprojekt, bei der ich die meiste Zeit den Frauen in der Baumschule geholfen habe, hat mir persönlich mit am Besten gefallen. Am Morgen habe ich den Frauen geholfen die Töpfe für die Setzlinge vorzubereiten. Und je nachdem auch selbst einige Setzlinge gepflanzt oder schon fertige Pflanzen aus den Beeten herausgeschnitten und für den Verkauf fertig gemacht. Nachmittags habe ich zusammen mit einer anderen spanischen Gruppe, kleine Bäume in der Nähe der Schule gepflanzt, was anstrengender war als gedacht. Das schöne für mich an dieser Woche war, dass man am Ende auch wirklich gesehen hat, was man bewirkt hat.

Am folgenden Wochenende ging es für mich mit dem Bus weiter nach Kenia. Fast 2 Monate war ich bis dahin in Tansania und hatte eine wirklich coole Zeit. Die offene und herzliche Mentalität der Leute hat mir extrem gut gefallen. Hakuna Matata und Pole Pole beschreiben dieses Lebensgefühl wirklich treffend. An die krasse Unpünktlichkeit gewöhnt man sich auch mit der Zeit :) Die Projekte könnten teilweise noch ein bisschen besser organisiert sein. Aber wie schon gesagt; man sollte auf jeden Fall offen für neues, spontan und flexibel sein, wenn man sich für Volunteering in Afrika entscheidet. Ich bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben und freue mich auch über die neuen Freunde aus anderen Nationen, die ich in meiner Zeit in Afrika kennenlernen durfte. Zudem lernt man das Land und die Leute nochmal viel intensiver kennen als mit einer geführten Touristentour durch Tansania.

Ach ja und noch ein Tipp zum Schluss. Nehmt bitte lange und warme Sachen mit. Man meint zwar immer Afrika ist unglaublich heiß, doch kann ich das nicht bestätigen. Vor allem Monduli ist, da es in den Bergen liegt, nachts alles andere als warm :D

 

Hier findest du alle Informationen über das Programm Freiwilligenarbeit Tansania.

weitere Erfahrungsberichte

Auf einen Blick
Start:
jederzeit möglich
Dauer:
von 1 bis 12 Wochen
Mindestalter:
ab 18 Jahre
Region:
Monduli und Emboreet
Bereiche:
Soziale Projekte
Teaching
Öko
Tierschutz
Gebühr:
ab 444 EUR