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Tansania

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Tansania, was für ein wundervolles Land!

Anfang des Jahres durfte ich 7 Wochen lang Land und Leute kennenlernen, in die Kultur eintauchen. Mein Weg führte mich nach Monduli, in dem ich an einer English Medium School mitgeholfen habe. In dem kleinen Dorf, welches wie eine grüne Oase im sonst trockenen Tansania erscheint, habe ich bei einer super herzlichen, gastfreundlichen Familie gelebt, die mich mit offenen Armen empfing, sich gut um mich kümmerte und mich mit reichlich (!) guten Essen versorgte. Das Haus ist immer offen, jeden Tag kamen Nachbarn, Freunde, Familie , man isst zusammen , tauscht sich aus. Hier ist man nie alleine , lebt in einer Gemeinschaft, in der man sich vertraut und gegenseitig um sich kümmert.

 

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit tansania lea 2

Hier ticken die Uhren langsamer, “pole, pole” ist der Lebensstil. Ein Ort um zur Ruhe zu kommen. In meiner Einführungswoche oder ‘cultural week‘ lernte ich, zusammen mit 2 Reisenden aus China, die für eine Woche da waren, erstmal den Ort besser kennen. Zweimal die Woche gibt es in Monduli einen großen Markt, hier kann man jede Sorte Obst und Gemüse kaufen, die man sich vorstellen kann, aber auch Kleidung und Schmuck, alles was man so braucht.

Gleich am zweiten Tag hatte ich das Glück, eine Maasai Hochzeit besuchen zu können . Der Norden Tansanias ist Maasai Region und auch die Verwandten meiner Gastfamilie leben noch in einem kleinen Maasaidorf mitten auf dem Land, kaum mit dem Auto zugänglich. Es war super spannend zu sehen, wie die Dorfgemeinde dieses Fest gefeiert hat. In der selben Woche fuhren wir noch nach Arusha, ca. 1 1/2 h Fahrt mit dem Minibus , dala dala genannt, welcher in der Theorie eine Kapazität von ca. 15 Sitzplätzen hat, in der Praxis “passen” dann aber bis zu 30 Menschen rein... Arusha ist der komplette Gegensatz zu Monduli, groß, laut, hektisch. An den Straßenständen findet man alle typischen tansanischen Köstlichkeiten, wie zum Beispiel „Chips mayai“, welches ans spanische Omlett erinnert, oder Chapati, eine Art Fladenbrot, mein persönliches favorite. Ansonsten wird in Tansania viel mit Gemüse, Reis und Kartoffeln gekocht, alles frisch vom Markt, es gibt so gut wie keine verarbeiteten Produkte (somit auch keine Kühlschränke!).

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Am nächsten Tag ging es für uns in den Tarangire Nationalpark, dessen Name mir vorher unbekannt war, der aber, meiner Meinung nach, am meisten „zu bieten“ hat. In dem riesigen Park gibt es große Elefantenherden, Löwen, Giraffen, Zebras, Gazellen, wunderschöne Vogelarten und so viel mehr.. sogar einen Leoparden haben wir gespottet ;) das können andere Nationalparks nicht überbieten, also lass dich nicht von großen Namen irreführen! (and safe a lot of money hehe). Allgemein bin ich vom Konzept „Safari“ nicht 100% begeistert. Ich habe mich nicht wohl dabei gefühlt, in einem lärmenden Jeep in einer Kolonne in diese Naturgebiete einzudringen, und aus einem Käfig herausschauend habe ich mich eher abgekapselt von der Natur um uns herum gefühlt. Man wird aus dem authentischen Dorfleben in Monduli herausgerissen und findet sich plötzlich zwischen weißen Pauschaltourist*innen wieder, die für eine Woche nach Tansania fliegen, in teuren Resorts leben und hinterher sagen Sie kennen Land und Leute (ist natürlich überspitzt, trifft nicht auf jeden zu). Natürlich ist dieser Weg der einzige, die tansanische Wildnis zu bewundern, ich denke nur, man sollte sich dieses Dualismus bewusst sein.

Nach dieser ersten spannenden Woche, in der ich mich super gut eingelebt hatte und schon ein Gefühl von „zu Hause“ hatte, ging es mit dem Projekt los. Den Einstieg hat mir sicherlich meine Vorerfahrung vom pre-school Projekt in Südafrika erleichtert. So war ich darauf vorbereitet, dass man nicht sonderlich an die Hand genommen wird, sondern es eher ein Sprung ins kalte Wasser ist. Sowohl für mich als auch für die Lehrer*innen ist es zu Anfang eine überfordernde, oder zumindest herausfordernde Situation, dich sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren. Es erfordert sehr viel Eigeninitiative, den Unterricht aktiv mitzugestalten, das ist eine Eigenschaft, die du auf jeden Fall mitbringen solltest. Wenn du dich für ein teaching project im globalen Süden entscheidest, solltest du mit einer offenen und unvoreingenommen Haltung in dieses starten. Hier treffen zwei verschiedene Vorstellungen von Erziehung und Bildung aufeinander. In Tansania herrschen in den Schulen wesentlich autoritärere Strukturen als in unserer Gesellschaft. Du solltest dich fragen, ob du wertfrei und ohne (unabsichtliche) westliche Arroganz in Situationen, in denen zum Beispiel Kinder mit dem Rohrstock geschlagen werden, umgehen kannst. Ich denke, es braucht Zeit, um für sich selbst herauszufinden, wie man mit solchen Situationen umgehen will und kann, es braucht Zeit, seinen Platz im Schulalltag zu finden und mit den Lehrer*innen auf eine Wellenlänge zu kommen. Wie viel Zeit, das liegt an deinem Selbstbewusstsein, deiner Eigeninitiative und Fähigkeit, mit einer unbekannten Situation umzugehen. Deswegen rate ich jedem, der sich vorstellen kann, sich in einem sozialen Projekt zu engagieren, eine längere Zeit im Projekt zu verbringen - mindestens (!) 2 Monate, um die Chance zu haben, gemeinsam mit den Menschen im Projekt deinen Platz zu finden.

Allgemein werden dir im Projekt viele Freiheiten gelassen. Vergiss nicht - du bist die/der Freiwillige, wenn du mal müde bist oder das Gefühl hast, an diesem Tag wird deine Hilfe nicht mehr benötigt, sprich mit der Lehrerin und es sollte kein Problem sein, früher nach Hause zu gehen. Es ist wichtig, darauf zu hören, wie du dich fühlst und keine Angst zu haben, das zu artikulieren.

Die Nachmittage in Monduli habe ich sehr genossen. Mal haben wir zusammen gekocht, Musik gehört, schlechte chinesische Filme geschaut und kisuahili gelernt. Oft hab ich mit meiner kleinen Gastschwester gespielt , oder mich einfach raus zu den Hunden und Hühnern gesetzt und den Blick ins Grüne genossen :) Oder die Hunde und ich haben einen Spaziergang ins Dorf unternommen. Am allerliebsten habe ich in einem Obst-und Gemüsegarten mitgeholfen, Pflanzen zu pflanzen. Hier wuchsen Mangos, Papayas, Avocados, Kaffee...

Monduli ist eine kleine Oase des friedlichen Dorflebens, die Kontaktstelle zwischen ländlichem und urbanen Leben in Tansania. Hier ist man wirklich mittendrin im tansanischen Leben, in der Kultur. Keine Spur von westlichem Lebensstil, ein kompletter Perspektivenwechsel. Ich habe diesen simplen Lebensstil als sehr befreiend empfunden, ein paar Wochen fernab von Konsumdenken und vergleichendem Blick nach links und rechts...

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Für eine knappe Woche sind Rubén, mein Mitfreiwilliger, und ich gemeinsam mit unserer Gastfamilie in das Maasaidorf Moita gezogen, in welchem ein Teil der Familie noch lebt. Das kann ich nur jedem sehr empfehlen (einfach Neema fragen), wenngleich diese Erfahrung auch eine psychische Herausforderung sein kann. Moita liegt fernab von der Zivilisation, ein paar Lehmhäuschen in der Landschaft zerstreut, ein paar Kühe, Hühner, Esel und unerwünschte Hunde. Während ich von Monduli Stromausfall von Zeit zu Zeit gewohnt war, gibt es hier gar keine Elektrizität, und Wasser muss von weit hergeholt werden. Der Alltag besteht aus Brennholz sammeln, kochen, das Vieh rumführen, Kühe melken.. in freien Momenten sitzt man zusammen, tauscht sich aus, bastelt Schmuck...

Hier müssen die Kinder 8km laufen, hin und zurück , wenn sie Schulbildung erfahren möchten, da es in der Region nur eine einzige Schule gibt. Neema, meine Koordinatorin, ist eine sehr engagierte, inspirierende Frau, die versucht, das Dorf zu unterstützen, durch den Bau einer Schule oder z.B. women empowerment projekten. Es gibt sicher Gelegenheiten, bei diesen mitzuwirken :)

An diesem Ort mit diesen Menschen zu leben war eine unglaublich bereichernde Erfahrung.

Ich kann euch nur dazu ermutigen, nach eurem Projekt oder an den Wochenenden das Land auf eigene Faust zu erkunden!

Für 4500 Schilling (ca. 2€) kommt ihr mit dem Minibus nach Moshi, eine angenehme, weniger chaotische Stadt am Fuße des Kilimandscharo. Und den Anblick wollt ihr nicht verpassen! An die meisten Orte kommt ihr gut ohne irgendwelche geplanten Touren, die euch sehr viel Geld aus der Tasche ziehen. Traut euch, öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen, oder vielleicht lernt ihr ja locals oder andere Freiwillige kennen, die euch das Land am besten zeigen können:) Am Ende ging es für mich noch eine Woche nach Sansibar. Von Arusha gibt es eine Busverbindung nach Dar es salaam, von wo ihr die Fähre nach Sansibar nehmen könnt. (Viel cooler als Fliegen! Günstiger, weniger klimaschädlich und ihr seht was vom Land!)

Einen Trip nach Sansibar kann ich nur jedem empfehlen. Aber nur, wenn ihr ins local life eintaucht und nicht in den Strandresorts verweilt und verpasst, welche Kultur Sansibar zu bieten hat wenn man sich zwei Häuserreihen vom Strand wegbewegt. Ich kann euch sehr ans Herz legen, couchsurfing auszuprobieren, dadurch habe ich die wunderbarsten Menschen kennengelernt, das tollste Essen und die spannendsten Geschichten gehört . Ich habe mich als alleinreisendes Mädchen in Tansania nie unsicher gefühlt, im Gegenteil, ich habe die Menschen als sehr hilfsbereit, gastfreundlich und offen empfunden, ich habe mich nie allein gefühlt. Also - geht raus in die Welt , traut euch was, habt Vertrauen in euch selbst und die Menschen!

Falls ihr noch Tipps braucht oder Fragen habt zum Projekt, zum Land oder meiner Reise - schreibt mir gerne! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Und ein paar kleine Tipps noch am Ende:

-Nimm Seife, Shampoo und alle anderen Hygieneartikel mit, die du brauchst! Außerdem unbedingt eine powerbank. Und ein paar Bücher oder Filme, etwas, womit du dir gerne die Zeit vertreibst:)

-sag dem Visabeamten am Flughafen auf keinen Fall, dass du Freiwilligenarbeit machen willst, sondern dass du als Tourist*in hier bist!

-lern ein bisschen Kisuahili vorher, zb mit Duolingo, dann bist du schneller drin, es macht Spaß und alle freuen sich riesig, wenn du ein paar Sätze draufhast:)

Asante sana fürs Lesen und Safari mwema!

weitere Erfahrungsberichte

Auf einen Blick
Start:
jederzeit möglich
Dauer:
von 1 bis 12 Wochen
Mindestalter:
ab 18 Jahre
Region:
Monduli und Emboreet
Bereiche:
Soziale Projekte, Teaching, Öko, Tierschutz
Gebühr:
ab 444 EUR

Wir helfen dir gerne weiter

Mo. - Do. 10:00-17:00 Uhr
Fr. 10:00-15:00 Uhr

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