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Hallo ihr Lieben! Auch ich will euch von meinem fast 4monatigen Auslandsaufenthalt (Mai-August) Freiwilligenarbeit in Argentinien berichten:
Nun war auch für mich der Tag gekommen. Der Tag des Abschiedes von Zuhause und der Sprung in eine ganz neue Welt, die ich für vier Monate mein Zuhause nennen und im Laufe der Zeit lieben lernen konnte.

Nach etlichen Reisevorbereitungen und Kofferpackens fuhr ich gemeinsam mit meinen Eltern zum Flughafen Frankfurt. Als ich eingecheckt hatte, wir vor dem Gate standen und mein Flug angekündigt wurde verabschiedete ich mich mit einem murmeligen Gefühl von meiner Familie und stieg in das riesige Flugzeug. Als ich auf meinem Sitz Platz genommen hatte und das Flugzeug zum Start ansetzte gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich überlegte wie die Zeit in Argentinien wohl für mich verlaufen würde, ob ich gut mit meinen Gasteltern und den anderen Volontärinnen zurecht kommen würde, ob meine Sprachkenntnisse ausreichten um mich einigermaßen "durchzuschlagen" und wie sich wohl die Kinder in den beiden Projekten mir gegenüber verhalten würden. Obwohl ich von Multikultur ein umfangreiches Infopaket über Land und Leute erhalten habe, hatte ich dennoch keine so rechte Vorstellung was mich bei der Freiwilligenarbeit in Argentinien erwarten würde. Aufgrund dessen fragte ich mich auch mit wie viel Armut, Kulturunterschieden und Eigenheiten des Landes und dessen Bewohnern ich mich auseinandersetzen musste.

Zudem fuhren meine Gefühle regelrecht Achterbahn. Von Traurigkeit wegen des Abschiedes, über Angst, Nervosität und Spannung bis hin zur Vorfreude war alles vorhanden.
Nach einem ungefähr 13 Stunden langen Flug und einem Zwischenstop in Sao Paulo fand mich am Flughafen von Foz do Iguazu in Brasilien wieder. Nachdem ich alle meine Gepäckstücke wohlbehalten vom Band gezogen hatte und die Eingangshalle betrat wurde ich sogleich herzlich von meinen Gasteltern Gisela und Ernesto, sowie Charlotte, einer anderen Volontärin die zu der Zeit in Eldorado arbeitete begrüßt. Überrascht und froh zugleich dass meine Gasteltern perfektes deutsch sprachen folgte ich ihnen zum Auto, in dem ich sofort einen Becher des berühmten Mate-Tees in die Hand gedrückt bekam, um gleich schon mal mit den argentinischen Sitten vertraut zu werden. Viel konnte ich allerdings nicht davon trinken, da der Geschmack mir einfach viel zu bitter war, was sich allerdings im Laufe der Zeit änderte, nachdem ich ihn mehrmals probiert hatte. Wer in Argentinien keinen Mate trinkt fällt voll aus dem Rahmen. Damit läuft von groß bis klein jeder rum.

Kurz nachdem wir losgefahren sind mussten wir durch die Zollgrenze, ich betrat zum ersten Mal argentinischen Boden und bekam meinen ersten Stempel in den nagelneuen Reisepass. Die ganze weitere Fahrt über schaute ich aus dem Fenster, denn ich wollte so viele erste Eindrücke wie möglich wahrnehmen. Die rote Erde zum Beispiel viel mir sofort auf. Die ganze Fahrt kam mir unwahrscheinlich lang vor. Auf der Straße ging es immer nur geradeaus, vorbei an kleinen Wäldern. Natur wohin man blickte. Auf diesem Wege habe ich schon etwas über die heimischen Baumarten lernen können. Endlich kamen wir in Eldorado an.

Als erstes fiel mir auf, dass es auch dort immer nur geradeaus ging, dass die ganze Stadt scheinbar aus so gut wie nur einer Straße zu bestehen schien. Dem war auch so, bis auf wenige abzweigende Straßen, die nach ein paar Metern gewissermaßen im "Nirgendwo" oder im "Busch" endeten besteht Eldorado fast nur aus der einen Hauptstraße. Überall gab es etwas für mich zu sehen, alles war so anders, was aber nicht heißt dass es schlechter war als in Deutschland, auch dort konnte ich mich relativ schnell wohl fühlen. Was etwas gewöhnungsbedürftig für mich war, waren zum einen die zum Teil wirklich uralten und schrottreifen Autos, einige schienen nur aus Rost zu bestehen und wurden von Gisela mit dem wie ich finde passenden Namen "Scherben" versehen. Auch die stets präsente Polizei war zu Anfang etwas einschüchternd.
Was den Straßenverkehr angeht sollte man sich am besten über gar nichts wundern, da sieht man die tollsten Dinger und auf jeden Fall sollte man auch nicht auf sein Recht pochen als Fußgänger immer über den Zebrastreifen gelassen zu werden…

Die Fahrt ging weiter zu meinem neuen Zuhause, Gisela's und Ernestos Haus, das etwas abseits gelegen ist. Auf leicht ruckeligen Erdstraßen ging es regelrecht in den Dschungel hinein. Als wir ankamen und ich mein Gepäck untergebracht hatte bekam ich sogleich eine kleine Hausführung, lernte Juana, die nette Haushälterin und alle Tiere kennen. Mein Zimmer aber befand sich nicht in Giselas und Ernestos Privathaus, sondern in einem separaten Haus auf deren Grundstück, das extra für die Volontäre gebaut worden war und das ich zunächst mit Charlotte bewohnen durfte. Nachdem ich Zuhause versichert hatte das ich gut angekommen sei, konnte ich mich erstmal ein wenig ausruhen und anfangen auszupacken bzw. mein Zimmer einzurichten.

Kurze Zeit später gab es allerdings schon Mittagessen, und zwar kein "normales", sondern Asado, ein wichtiger Bestandteil der argentinischen Esskultur. Unter Asado wird eine Art Grillfest verstanden, das in der Regel jeden Sonntag in kleiner Runde stattfindet. Auch an Feiertagen wird ein Asado gemacht, da kann es dann natürlich noch etwas aufwändiger und in größerer Runde sein. Zum Asado wurde ich raus in das "Quincho", eine Art Grillhütte im Garten geführt. Dort lernte ich wieder neue freundliche Leute kennen, die ebenfalls alle deutsch sprachen. Es gab eine Menge Fleisch, das auf einem Holzkohlegrill zubereitet wurde, Gemüse und "Mandioca", gewissermaßen die argentinische Kartoffel. So und so ähnlich in wechselnder Runde trafen wir uns jeden Sonntag zum Grillen. Den Rest des Tages nutzte ich für mich zum Ausruhen bzw. um mit dem Jetlack fertig zu werden (was allerdings noch ein paar weitere Tage in Anspruch nahm).

Die darauf folgenden Tage galten als meine Einführungswoche  für die Freiwilligenarbeit in Argentinien, in der mir Gisela die Stadt und Umgebung zeigte, mich mit auf Ausflüge nahm und mich mit den Sitten und Gebräuchen vertraut machte. Ein Ausflug führte mich zum Beispiel auf eine Yerba- Mate- Plantage auf der ich den Arbeitern dabei zusehen konnte wie sie aus den Blättern der Yerba- Pflanze den berühmten Tee herstellten. Ein weiterer Ausflug ging in das Gebiet der Guarani- Indios. Mir wurde gezeigt in welch ärmlichen Verhältnissen diese leben und wie sie mit ihren handgefertigten Produkten wie Körben und Schmuck ein wenig Geld verdienen. Mit Charlotte und zwei weiteren Deutschen, die ebenfalls in Eldorado arbeiteten unternahm ich auch einiges. Wir gingen fast jeden Tag zusammen essen und testeten die verschiedenen, meist italienischen und spanischen Gerichte aus. Es gab Unmengen an Pizza und Nudelgerichten, was mir sehr zusagte und auch die gefüllten Teigtaschen, genannt Empanadas wurden zu einem meiner Leibgerichte. Was mich auch wunderte war, dass in Argentinien so spät erst zu Abend gegessen wird, meist so gegen halb 10 oder noch später. Ebenso ist es, wenn man abends weggehen will, in die Disco zum Beispiel. Vor 2 oder halb 3 Uhr ist in den Clubs noch rein gar nichts los. Dafür wird dann bis zum bitteren Ende um 6 Uhr gefeiert, das war schon eine große Umstellung für mich.

In meiner ersten Woche begann zudem auch noch mein dreiwöchiger Sprachkurs bei Claudia meiner Lehrerin, mit der ich mich sehr gut verstanden habe. In einer Gruppe aus zwei Personen lernte ich von Claudia nicht nur die spanische Sprache, sondern auch die Besonderheiten des argentinischen Castellano, sowie einiges über Land und Leute.
Noch in meinen ersten Wochen konnte ich einen Ausflug zu den berühmten Iguazu- Wasserfällen unternehmen. Es war ein tolles Erlebnis, im Großen und Ganzen sogar noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte, obwohl das Wetter nicht so berauschend war. Es ist schon Wahnsinn wenn man vor den gigantischen Wassermassen des "Garganta del Diablo", übersetzt etwa "Teufelsschlund" steht und nicht sieht wo das Ganze sein Ende hat.

Ganz hin und weg war ich auch von den niedlichen aber auch frechen Nasenbären (Guatis). Ich war regelrecht vernarrt in diese Tierchen, obwohl diese ständig versuchten an meine Tasche ranzukommen, in der Hoffnung etwas zu Fressen zu finden. Als Andenken habe ich an meinem Abschiedsabend unter anderem auch einen Plüsch- Guati geschenkt bekommen, der nun bei mir ein neues Zuhause gefunden hat. ;)

In meiner dritten Woche in Argentinien begann ich in meinem ersten Projekt, dem Kinderheim "La Buena Semilla" ("Die gute Saat") zu arbeiten.
Entgegen meiner Erwartungen wurde ich sofort sehr offen und warmherzig von den Kindern, sowie den Leitern aufgenommen. Freiwilligenarbeit in Argentinien ich hatte mir vorgestellt dass mir zumindest die Kinder mit einigem Abstand begegnen würden, nach allem was sie vermutlich durchgemacht haben mussten. Dem war aber nicht so, einige waren gleich von Anfang an extrem anhänglich und wollten mir alles zeigen, was mir den Einstieg sehr erleichtert hat. Beruhigt einerseits wegen der freundlichen Aufnahme aber andererseits doch auch ein wenig geschockt wegen der hygienischen Zustände, der teilweise vorhandenen Brutalität der Kinder untereinander und anderen Dingen, wie zum Beispiel dass die Kinder soviel kaputt machten begann ich meine Arbeit im Heim. Von Gisela erfuhr ich dass jenes Heim jedoch das Beste in der ganzen Region sei, was mich doch schwer zum Nachdenken anregte. Den Kindern ging es gut, sie hatten Spaß im Heim, das merkte man. Sie schienen sich zum ersten Mal richtig geborgen zu fühlen und es wurden viele erste Freundschaften geschlossen…

Aufgrund dessen wollte ich mir lieber nicht vorstellen was ihnen wohl in ihrem bisherigen Leben widerfahren sein musste. Mit der Zeit bekam ich allerdings doch einige Geschichten der Kinder mit und war dann wirklich betroffen. Nicht so einfach all das zu verarbeiten, man weiß gar nicht mehr wie man genau mit den Kindern umgehen soll, wenn man tagtäglich mit diesen zusammen ist. So kann man aber zumindest einige merkwürdige Verhaltensweisen ansatzweise nachvollziehen.
Eine Situation hat sich regelrecht in mein Gedächtnis gebrannt, daran werde ich sicherlich mit einem lachenden Auge mein ganzes Leben denken: Und zwar war ich mit den Mädchen in der Küche des Heimes beschäftigt. Auf einmal krabbelt eine große fette Kakerlake am Spülbecken entlang. Eines der Mädchen holt aus und schlägt mit voller Wucht und offener Handfläche auf das Tier. Dann pickt sie doch tatsächlich die nun platte Kakerlake auf und steckt sie sich in die Tasche ihres Rockes!!! Kein Witz, das war wirklich so! Das war für mich wohl der so genannte Kulturschock. Gerade in diesem Moment registrierte ich wie sehr sich unsere beiden Kulturen doch voneinander unterscheiden können und dass die Heimkinder im Vergleich zu mir so gut wie kein Ekelempfinden besitzen. Ähnliche dafür sprechende Situationen folgten… Ich hoffe nur, die Kakerlake befindet sich nicht noch immer in Vanessas Rock! ;D Man weiß ja nie…

Es war aber dennoch eine sehr sehr schöne Zeit für mich mit den Kindern im Heim. Wir haben viel zusammen gelacht, viel Spaß gehabt. Ich habe mit den Kindern gespielt, gekocht, gebastelt, ihnen bei den Hausarbeiten geholfen und ihnen beim Tanzen zugesehen. (Sie lieben Tanzen und Basteln!) Wahnsinnig viele schöne Fotos sind entstanden und mir sind die Kinder sehr ans Herz gewachsen. Auch jetzt noch, fast drei Monate nach meinem Argentinien-Abenteuer muss ich oft an sie denken. Mit Sebastian, dem einen Deutschen mit dem ich zusammen meinen Sprachkurs hatte, bin ich für zwei Wochen in den Nordwesten Argentiniens gereist. Das war wirklich ein Erlebnis bzw. ein Abenteuer. Gemeinsam haben wir uns durchgeschlagen und soviel Neues und Interessantes gesehen und natürlich wieder massig Fotos gemacht. Der Nordwesten ist ganz anders als Missiones im Nordosten, viel trockener vom Klima her und auch die Menschen sind anders, es gibt viel mehr indianische Bevölkerung dort. All die Leute denen wir unterwegs auf unserer Reise durch teilweise ziemlich einsame Gegenden begegnet sind waren sehr nett und gastfreundlich (aber das ist in ganz Argentinien so ;D ).

In meinem dritten Monat waren Charlotte und Sebastian wieder zurück in Deutschland, aber es kamen auch zwei weitere Volontärinnen/Freiwilligen an, Julia und Teresa. Nachdem diese sich ein wenig eingelebt hatten reisten wir gemeinsam und mit einer Gruppe von Austauschschülern nach Buenos Aires und später noch einmal alleine nach Cordoba. Beides sollte man unbedingt einmal gesehen haben wie ich finde, die Städte unterscheiden sich zwar sehr voneinander, haben aber beide etwas. Mehr will ich nicht vorwegnehmen und es gibt ja schließlich auch Reiseführer. ;) Julia und Teresa begannen dann auch beide ihre Arbeit in der Buena Semilla und für mich brach die letzte Woche dort an. Ich wurde sehr lieb verabschiedet und reich beschenkt, besuchte das Heim danach allerdings noch zweimal.

Als nächstes widmete ich mich meinem zweiten Projekt, der San Miguel- Grundschule im Armenviertel, in der ich die zweite Volontärin/Freiwillige überhaupt war, zuvor hatte nur Charlotte dort gearbeitet. Meine Aufgabe bestand darin der Lehrerin der Vorschulklasse während des Unterrichtes zu helfen und die Kinder während der Pausen zu betreuen. Auch dort hat es mir sehr gut gefallen, obwohl sich meine Aufgaben sehr von denen im Kinderheim unterschieden. Das Kollegium war sehr nett und hilfsbereit und die Kinder waren einfach nur süß. Auch sie haben mit harten Schicksalsschlägen zu kämpfen und müssen in ärmlichsten Verhältnissen aufwachsen, trotz allem sind sie fast immer gut gelaunt und meistern ihr Schicksal ebenso wie die Kinder des Heimes. Zudem gab es ein paar interessante Schulfeste denen ich beiwohnen durfte und so wieder etwas über die Gebräuche des Landes erfahren konnte.

In meinen letzten Wochen bin ich noch ein zweites Mal zu den Cataratas, den Iguazu- Wasserfällen gefahren, dieses Mal zusammen mit Julia und Teresa. Dieser Ausflug war noch schöner als der erste, weil zu diesem Zeitpunkt das Wetter richtig mitspielte. Purer Sonnenschein und gleich zwei Regenbögen begleiteten uns den Tag über. Eine wilde Bootsfahrt, knapp an den Wasserfällen vorbei haben wir auch unternommen und waren danach so triefnass als wären wir direkt ins Wasser gesprungen. Jedenfalls hatten wir eine Menge Spaß. Dann rückten meine letzten Tage in Argentinien an, die ich versuchte noch so stark auszunutzen wie es ging. Einige Andenken konnte ich noch besorgen, habe mich schon auf mein Zuhause in Deutschland gefreut aber auch versucht zu verdrängen, dass das nun erstmal das Ende meiner Auslandsreise sein würde.

Ich hatte noch ein paar schöne letzte Tage, eine herzliche Verabschiedung und kann nun sagen dass ich mich ein ganz kleines bisschen in jenes ferne Land und dessen Bevölkerung verliebt habe. Vor allem die Offenheit, Lebensfreude und Unbekümmertheit der Menschen hat mich fasziniert. Von ihnen habe ich gelernt, wie glücklich und zufrieden man auch mit wenig sein kann und dass man sich das Leben nicht unnötig durch dumme Kleinigkeiten schwer machen sollte. Hektik und Stress in Argentinien? Fehlanzeige! Aber dafür muss man hingegen schon öfter mal mit Unpünktlichkeit oder Unzuverlässigkeit rechnen. ;)

Ich muss noch oft an meine Zeit in dem nun nicht mehr ganz so fremden Land denken und werde eines Tages dorthin zurückkehren, da bin ich mir sicher.
Besonders froh bin ich darüber so viele neue Erfahrungen gemacht haben zu können und würde jedem raten ebenfalls mal so einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, es kann einen nur weiter bringen!

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