erfahrungsbericht freiwilligenarbeit namibia larissaFür mich gibt es nur wenige Dinge, die mich tatsächlich sprachlos machen. Doch das Reisen ist eines davon. Es ist überraschend, abenteuerlich, verrückt und beruhigend zugleich. Eine für mich besonders schöne Art zu Reisen ist die Freiwilligenarbeit: dafür habe ich mich schon nach dem Abitur entschieden und für mich war nun auch drei Jahre später wieder klar – das möchte ich unbedingt noch einmal erleben! Dieses Mal ging es für mich nach Namibia; ein Land das schon sehr lange auf meiner Wunschliste stand. Vorab kann ich euch sagen: es hat mich in allen Facetten in unglaubliche Begeisterung versetzt!

Also ging es für mich im April mit dem Flugzeug und viel Vorfreude nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Tatsächlich bin ich ein Mensch, der neben Freude auch mit viel Anspannung an neue Schritte herangeht. So war auch mein erster Tag geprägt von vielen neuen Eindrücken, die ich noch gar nicht richtig einschätzen konnte. Wie verhält man sich hier? Was darf man, was lieber nicht? Stimmen die ganzen Geschichten, die man so hört? Ich habe direkt am ersten Tag viele „wilde“ Stories über Windhoek gehört und muss an dieser Stelle sagen: locker bleiben und die Erfahrungen erstmal selbst machen. Natürlich sind Tipps immer hilfreich, aber letztlich haben sie mich zu Beginn eher gehemmt ehe ich festgestellt habe: alles halb so wild! Man lernt sehr schnell und intuitiv, wie man sich in Windhoek und Namibia allgemein verhalten kann und nach einigen Tagen habe ich mich sehr heimisch gefühlt und super schöne Ecken Windhoeks kennengelernt, die ich niemals als Tourist gesehen hätte!

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit namibia larissaMit dem Taxi ging es von Montag bis Freitag für mich nach Katutura, dem Township von Windhoek. Hier befindet sich das „After School Programm für die Kinder der ersten bis siebten Klasse der umliegenden Schulen. Nach der Schule machen sich die Kids auf den Weg zu uns; bekamen ein leichtes Mittagessen, Unterstützung bei der Bildung in Mathe und Englisch sowie allem was sie beschäftigt. Gegen Abend durfte dann Sport gemacht, gespielt, gesungen und getanzt werden. Von Tag eins merkt man hier: jede helfende Hand wird gebraucht und es gibt immer was zu tun. Aufregend waren besonders die ersten Tage, denn so eine richtige „Einweisung“ in die Arbeit bekommt man nicht. Auch wenn zu Beginn die Unsicherheit überwiegt: einfach loslegen! Außerdem sind immer andere Volunteers vor Ort, denen man Fragen stellen und sich einfach mal etwas abschauen kann.

Die Unsicherheit vergeht schnell, denn die Kinder empfangen jeden sehr offen und herzlich mit großer Neugier. Vom ersten Moment hat mich die Arbeit im BNC mit Spaß und Freude erfüllt. Auch wenn ich es nie geschafft habe mir alle Namen der Kinder zu merken, so habe ich sie doch sehr schnell in mein Herz geschlossen, gelernt sie einzuschätzen und mit ihnen umzugehen. Wichtig ist hierbei eine liebevolle doch auch sehr konsequente Art. Wenn ich mal überhaupt nicht weiterwusste waren es nicht selten sogar die Kids, die mit einem liebevollen „Miss, come on, let me show you“ aus der Patsche geholfen haben. Auch schwierige Situation sind natürlich nicht zu vermeiden und auch sind die Geschichten hinter einzelnen Kindern sehr berührend – einmal mehr eine Motivation jeden Tag nach Katutura zu kommen und zu sehen, wie sie durch dieses Projekt lernen, sich entwickeln und lautstark lachen.

erfahrungsbericht freiwilligenarbeit namibia larissaAm Abend, meistens natürlich müde und geschwitzt, ging es mit dem Taxi zurück ins Zentrum der Stadt. Benutzt man in Namibia öffentliche Taxis, so kommt man auch nicht um ein oder zwei Geschichten herum, die man später zu erzählen hat. Auch wenn eine direkte Fahrt vom Stadtzentrum zur Arbeit ca. 10 Minuten hätte dauern sollen, so habe ich auch schon einmal 45 Minuten gebraucht, einen Reifen mit dem Taxi Fahrer gewechselt oder musste gar das ganze Taxi wechseln. Gerade zu Beginn ist das Benutzen der öffentlichen Sammeltaxis für mich etwas mulmig gewesen und es ist definitiv eine Sache an die man sich gewöhnen muss und gewöhnen wird. Das Wichtigste ist ein selbstbewusstes Auftreten, selbst wenn man es vielleicht gar nicht ist. Ich habe zudem auch oft erwähnt länger in Windhoek zu sein, mich auszukennen und zu wissen wie es hier läuft. Dies beginnt sowohl mit dem Winken am Straßenrand zum Einsteigen, dem bestimmten Ton beim Nennen des Ortes an den man fahren will und die genauso selbstsichere Art beim Bezahlen. Mein Motto: selbst mit mulmigem Gefühl einfach so tun als ob es normal wäre – hat oft geklappt! Ein weiterer Rat hierbei, den mir Namibia in vielen Facetten beigebracht hat: lernen sich zu entspannen und zu vertrauen; zum einen in sich selbst und zum anderen in die Leute um dich herum. Als ich in der zweiten Woche begonnen habe, mich zu entspannen, habe ich sehr schnell gemerkt, wie verlässlich mein Bauchgefühl ist. Habe ich mich unwohl gefühlt, bin ich ausgestiegen, war das nicht der Fall – naja, Fahrt genießen! Man sieht auch hier viele Ecken der Stadt, die man so nie gesehen hätte. Den Abend lies ich zumeist mit anderen Reisenden ausklingen, die ich im Hostel kennengelernt habe. Es wurde zusammen gekocht, ein „Feierabend-Savanna“ (afrikanischer Cider) getrunken, Reisepläne geschmiedet oder in Gruppen auch mal Windhoek unsicher gemacht. Niemand ist geselliger und entspannter als Reisende!

Zu guter Letzt ein paar Worte zu Namibia als Land: Sprachlosigkeit beschreibt viele Momente. Dieses Land ist so vielfältig in seiner Weite, sodass man alles zu sehen bekommt, was ein Reiseherz höherschlagen lässt: die Wüsten mit ihren unglaublich hohen, schönen Dünen; die Nationalparks gefüllt mit Wildtieren die die Natur ebenso genießen; eine Küste geprägt vom rauen Atlantik besiedelt von unzähligen Robben und Flamingos und die ewige Weite und Stille zwischen den kleinen Ortschaften in welcher man stundenlang auf keinen anderen Menschen trifft.

Ich hatte eine verrückte, unglaubliche schöne Zeit in diesem Land zu reisen, zu wohnen und zu arbeiten. Namibia ist für mich nicht nur ein Reiseziel, sondern auch eine neue Art die Dinge zu betrachten.

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