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Mein Traum war es, nach dem Abitur eine fremde Kultur mit Ihren Menschen, dem Essen, den Riten und dem ganz normalen Alltag kennenzulernen.

Nach nur wenigen Recherchen war ich mir sicher: Es wird Indien! Bis zwei Wochen vor dem Flug war mir nicht bewusst, dass ich Indien in der Regenzeit (Juni- September) bereisen würde. Dieser Aspekt machte mich kurz nachdenklich, verringerte meine Vorfreude aber nicht. So landete ich, nach den Stops in Muscat und Mumbai, schließlich in dem kleinen Staat Goa.

Am Flughafen wurde ich von einem Koordinator abgeholt, der mir alle meine neugierigen Fragen geduldig beantwortete. Da es Monsun war, wurde es auf dem Weg zum Center (ca. 21 Uhr) schon dunkel. Es war ein unglaubliches Gefühl, auf der Rückbank dieses kleinen Vans zu sitzen. Die feuchte Luft wärmte mich und gleichzeitig fröstelte es mich vor Aufregung. Ich wollte auf keinen Fall etwas auf der Fahrt verpassen, mein Kopf drehte sich ununterbrochen von links nach rechts, von vorne nach hinten. Kühe auf der Fahrbahn, die Autofahrer erweiterten eine zweispurige Straße auf drei Spuren, was zu gefährlichen Überholmanövern führte. Natürlich gab es keinen Gurt, der bei einem Unfall Schlimmeres hätte verhindern können. Ganze Familien wurden auf kleinen Rollern transportiert, inmitten Babies ohne Helme. Außerdem schien sich der ganze Verkehr nur durch Hupen zu regeln. Doch in mir verspürte ich eine Gelassenheit über all das und wollte unbedingt ein Teil von diesem organisierten Chaos sein.

Die Mädchen im Center empfingen mich herzlich und nahmen mich direkt in ihre Runde auf. Ich aß zu Abend, wobei mir in den ersten Wochen immer die Nase lief. Das Essen war deutlich schärfer als ich es gewohnt war. Plötzlich fühlte ich mich von der Situation überrollt. Das Internet funktionierte nicht wirklich. Es dauerte eine Stunde, bis ich eine E-Mail verschickt hatte, die meine Mutter zu Hause beruhigen sollte. Als das erledigt war, verstand ich, dass ich nach einer 20-Stunden-Reise einfach nur dringend ein Bett brauchte. Ich schlief auf einer Matratze, die ca. 5 cm dick war und auf einem Holzbrett lag. Diesen Umstand sah ich als neue Herausforderung meiner bevorstehenden Zeit in Indien an. Nach wenigen Tagen aber bot mir die Koordinatorin ihre etwas dickere Matratze an, die ich gerne entgegennahm.

Nach meiner Ankunft stand mir das ganze Wochenende zur Verfügung. Wir lasen viel und entspannten einfach nur. Sonntags fuhren wir nach Panjim (Goas Hauptstadt), um  Regenschirme und indische Kleidung zu shoppen. Die Kleidung war deshalb wichtig, da man grundsätzlich seine Knie und Schultern bedecken sollte. Außerdem freuten sich die Inder, wenn man aussah wie sie, was bei meiner Größe kaum möglich ist. Besonders wichtig war die richtige Kleidung für die Arbeit in den Projekten, die einem Respekt verschaffte.

In der Einführungswoche fuhren wir in die nächstgelegene Stadt Mapusa, nach Panjim, um einen Bollywood-Film zu sehen, auf eine Gewürzplantage, nach Old Goa, nach Baga an den Strand und hatten zweimal um 6 Uhr morgens Yoga. Wir hatten Glück, dass es in dieser Woche nicht ununterbrochen regnete. In Baga kam sogar einmal kurz die Sonne zum Vorschein, aber sie wurde eine Stunde später auch schon wieder vom Regen abgelöst. Die Taxifahrten während der Einführungswoche waren sehr lustig. Wir hörten alte, schlechte Lieder und grölten alle mit. Aber besonders schön war die Natur in dieser Zeit. Der Regen hatte die ganze Landschaft in ein saftiges Grün getaucht. Ich genoss es, einfach nur aus dem Fenster zu schauen.

In meinem ersten Projekt arbeitete ich vier Wochen. Es war ein Kindergarten in unserem kleinen Ort. Ich ging den Weg, wenn es nicht zu stark regnete, um mich etwas fit zu halten. Sport war bei der Hitze dort unmöglich. Der Kindergarten ist eher mit der deutschen Grundschule zu vergleichen.

Die 2-3-Jährigen bekamen schon die Zahlen 1-10 und das Alphabet beigebracht. Ich bedauerte es, dass kaum gespielt wurde, was wohl auch an dem schlechten Wetter lag. Die Lehrerinnen freuten sich jeden Tag über mein Kommen und machten mir Chai (Tee) und Frühstück. Allerdings hatte ich in diesem Projekt nicht das Gefühl wirklich nützlich zu sein. Ich veränderte kleine Lernstrategien, aber  es gab schon zwei Lehrerinnen, die von den Eltern bezahlt wurden.

Nach meiner Zeit im Kindergarten bot sich mir die Möglichkeit, mit einem anderen Mädchen nach Neu Delhi zu fahren. Das hieß 37 Stunden Zug fahren- ohne Klimaanlage. Meine halbe antibakterielle Flasche war danach aufgebraucht und ich wünschte mir nichts sehnsüchtiger als eine Dusche. In Delhi konnten wir bei der besten Freundin unserer Koordinatorin übernachten, die uns auch die Stadt zeigte. Sie buchte uns sogar einen Tagestrip nach Agra, sodass wir schließlich noch das Taj Mahal besichtigen konnten.

Nach dieser Woche Auszeit startete ich, zurück in Goa, ein neues Projekt. Ich half das Boys Orphanage (Waisenhaus für Jungen) zu streichen. Wir tauchten die verschimmelten Wände in ein sachtes Orange, was die Zimmer wohnlicher aussehen lies. Die Jungs waren uns sehr dankbar dafür. Es war ziemlich anstrengend, da die Ventilatoren kaputt waren und wir unter unseren Plastiküberzügen ganz schön schwitzten. Außerdem spielten wir Fußball mit den Jungs und gestalteten ihre Freizeit zwischen Schule und Hausaufgaben.

Danach arbeitete ich im Girls Orphanage und im Women Shelter. Die Mädchen im Girls Orphanage durften nur bei unserer Anwesenheit laute Musik hören und freuten sich riesig wenn wir dann mit ihnen dazu  tanzten. Es gab drei Schlafräume. In jedem schliefen bis zu zehn Mädchen auf dem Boden. Doch dieses Schicksal störte die Wenigsten. Sie freuten sich über Schokoladenstückchen, wie sich deutsche Mädchen über eine neue Puppe freuen.

Selbst nach drei Monaten in Indien freute ich mich immer noch auf Reis und Dal oder Chapati. Das Essen im Haus war wöchentlich das gleiche. Deshalb gingen wir am Wochenende gerne mal aus, um andere köstliche Gerichte zu probieren. Ein Hauptgericht kostet dort umgerechnet zwischen 2-3 Euro.

Ein weiteres Highlight meines Indientrips waren die Nächte in Baga. Dort traf man viele Backpacker, die inspirierende Geschichten zu erzählen hatten. So kam man an einem Abend mit Amerikanern ins Gespräch, am anderen mit Chinesen.

Nach meinen zehn Wochen im Center in Goa verbrachte ich noch einige Tage in Mumbai. Dort ist die Grenze zwischen Arm und Reich am deutlichsten zu sehen. Wo die einen ihren Müll hinwerfen, bauen sich die anderen Hütten daraus.


Ich habe die indische Bevölkerung als unglaublich freundlich und hilfsbereit kennengelernt. Das Essen, die farbenfrohe Kleidung, das Familienleben und die Gastfreundlichkeit haben mich überwältigt. Ich bin mir sicher, dass ich auch noch den Norden von Indien erkunden werde. Dieser Trip wurde aber vor allem auch durch die anderen Freiwilligen besonders, von denen ich jetzt einige zu meinen Freunden zähle.

Der wichtigste Tipp für eure Reise: Nehmt die Umstellung an das Land an und versucht euch, so gut es geht, zu integrieren. Gestaltet eure Woche mit Yoga, Ausflügen, lesen, sodass es nur kurze Anflüge von Heimweh geben kann.


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