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Selina Praktikum in Mexiko

Viva México!
Seit 3 Monaten bin ich schon wieder in Deutschland, doch ich hänge immer noch in Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit. Das Lächeln während des Schreibens breitet sich ebenso selbstverständlich in meinen Gesicht aus, wie an nahezu jedem meiner 177 Tage in Mexiko

Doch der Abschied ist leider nicht so unbeschwert wie der Rest meiner Reise. So schwer es mir fiel meine Familie, meine Freunde und meinen festen Freund hinter mir zu lassen, so schwer fällt es mir am Ende, meine neuen Freunde in diesem tollen Land zurück zu lassen und unter meine Erfahrungen einen Schlussstrich zu ziehen, obwohl mein Herz für immer in der Ferne bleiben möchte, 9000 km von meiner Heimat entfernt.

Selina Praktikum in Mexiko

Nicht ohne Grund habe ich Mexiko für meinen Auslandsaufenthalt gewählt. Während meine ganzen reiselustigen Freunde in Richtung Amerika und Australien aufbrechen, entscheide ich mich bewusst für das aufregende und nicht ganz ungefährliche spanischsprachige Land. Ich erhoffe mir eine intensive Erfahrung, bei der ich möglichst viel von der Kultur, den Menschen, der Sprache und vielem mehr lernen kann, ohne Scharen von Touristen, Travellern und vor allem fernab der deutschen Reiselustigen.

Doch vor der Liebe zu Mexiko steht das Loslassen von meiner Heimat und meinen Freunden. Auch wenn diese Erfahrung schon weit hinter mir liegt, will und kann ich nicht unter den Tisch kehren, wie schwer der Beginn meines neuen Lebens war. „Kulturschock“ hat jeder Reiselustige schon mal gehört. Auch ich kannte diesen Begriff, war damit von einem früheren Highschoolaustausch vertraut, doch als ich nach 20 Stunden in Mexiko lande, erwartet mich eine Flut von neuen Eindrücken, auf die ich mich nicht vorbereiten konnte. Mit offenem Mund und großen Augen verfolge ich den Fahrstil unseres „Chauffeurs“ und späteren Freundes, der uns durch die 20 Millionen Metropole hinaus in die kurvige Landschaft transportiert und mich trotz Hupen und Drängeln sicher zu meinem neuen Zuhause bringt. Die Straßen wirken selbst nach Einbruch der Dunkelheit ungewohnt lebensfroh und bunt, überall verkaufen Menschen Essen, Getränke, Schmuck und alles Erdenkliche.

Selina Praktikum in Mexiko

Die ersten Tage sind für mich leider nicht so entspannt, wie ich es gerne hätte. Heimweh, Kulturschock und das Klima machen mir zu schaffen. Besser wird es zum Glück, als ich meinen Arbeitsplatz in einer Sprachschule kennen lerne. Ich fühle mich sofort pudelwohl und freunde mich schnell mit meinen Kollegen und Schülern an, denn in Mexiko gilt „mi casa es tu casa“ (mein zuhause ist dein zuhause). Auch in meiner Wohnung fühle ich mich schon wohler, trotz einiger Untermieter in Form von Ameisen und Kakerlaken, aber lasst euch davon nicht abschrecken, man bekommt sie nur selten zu Gesicht. Durch das warme Klima fühlen sich die Viecher leider überall wohl und lassen sich nicht so gut vertreiben, wie in Deutschland. Mir macht es nichts, denn mein sympathischer und lustiger Mitbewohner ist stets zur Stelle.

Mit meinen Kollegen treffe ich mich schnell auch außerhalb der Schule und über meine Mitbewohnerin und meine Betreuerin lerne ich noch ein paar mehr Mexikaner kennen. Es vergeht selten ein Wochenende, an dem wir keinen Ausflug machen. Bereits nach 10 Tagen breche ich mit 4 neugewonnen Freunden auf nach Puebla, an den kommenden Wochenenden folgen viele weitere Highlights.

„Mi vida está padrisimo“
Schnell lerne ich die mexikanische Ausdrücke (auch ein paar die ich lieber nicht in den Mund nehme) und frische mein Schulspanisch in Unterrichtsstunden in der Sprachschule auf, Englisch brauche ich selten und ich unterhalte mich liebend gerne mit Kollegen, Freunden, im Fitnessstudio oder einfach auf der Straße.

Selina Praktikum in Mexiko

Die ersten vier Monate vergehen wie im Flug, ich bin immer noch überwältigt von meinem neuen Leben, auch wenn nach und nach meine Austauschfreunde wieder in die Heimat zurück fliegen. Die gute Seite daran ist, dass nun zu meinem Freundeskreis nur noch Mexikaner gehören, die schlechte, dass meine Freunde leider viel Zeit in die Uni oder ihren Job investieren müssen und ich natürlich meine deutschen Freundinnen sehr vermisse.

Für den letzten Monat meiner Zeit in Mexiko habe ich mir noch einmal etwas ganz besonderes vorgenommen. Von Anfang an stand für mich fest, dass ich nicht nur eine Region von Mexiko sehen möchte, sondern so viel wie möglich von meiner Erfahrung mitnehmen will. So habe ich noch vor Abreise arrangiert, dass mein Praktikum etwas früher aufhört und ich habe mir in der Zwischenzeit per Internet eine Reisepartnerin gesucht, mit der ich mich Ende August in Cancun, an der Ostküste Mexikos verabrede. Von dem Zeitpunkt an tausche ich mein ohnehin schon aufregendes Leben gegen noch mehr Spannung und Abenteuer ein und mein Zimmer mit Kleiderschrank und Bett gegen einen geliehenen Rucksack, der nun alle meine Habseligkeiten fasst.

Selina Praktikum in Mexiko

Trotz allem, werde ich gegen Ende der Reise immer trauriger und niedergeschlagener über das baldige Ende, ich denke nicht nur einmal darüber nach mein Abenteuer zu verlängern, mir wieder einen Job in Cuernavaca zu suchen oder eine Weile Kurse an der Uni zu belegen, doch schließlich siegt die Vernunft und ich immatrikuliere mich in Deutschland, lade meine Freunde zu meiner „fiesta de despedida“ ein, die wohl traurigste, von allen fiestas die ich in meiner Zeit dort gefeiert habe ( und ich sage euch, es gab viele Partys!) und packe meinen Koffer um die Heimreise anzutreten.

Denn trotz aller Liebe zu Mexiko, muss ich zugeben, dass wir in Deutschland eine tolle Ausbildung nahezu geschenkt bekommen, für die man in Mexiko viel Geld bezahlen muss. Wir bekommen einfach so 3 Wochen Urlaub im Jahr, es gibt Mindestlohn und immer sauberes Wasser, was man in Mexiko lange suchen kann. Die Mexikaner nehmen es jedoch mit Humor , feiern am Wochenende den Tag des Lehrers, der Mutter, des Vaters, der Kinder oder das Wochenende ist und ich werde zurückkommen und es ebenfalls wieder gelassen sehen, von meinem 2,50 Euro Stundenlohn die Miete bezahlen und von meinem angesparten Geld reisen und mein Leben genießen.

Trotz allen Schwierigkeiten, Höhen und Tiefen und der Ungerechtigkeit die man in diesem Land regelmäßig sehen muss, war es für mich ein fantastisches, einmaliges Abenteuer, voller Kultur, Gastfreundschaft und jede Menge fiesta. Eine Zeit die ich niemals vergessen werde und die mir im kalten Deutschland, besonders an den verregneten Tagen Kraft geben wird und mich nach wie vor mit einem Glücksgefühl füllt, wenn ich nur daran denke und bevor meine Bräune gänzlich verschwunden sein wird, werde ich mich vermutlich erneut 9000 km von meiner Heimat entfernt befinden.

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