Johanna au pair in finnlandSo wie viele, wollte ich nach dem Abitur eine längere Zeit im Ausland verbringen. Durch Bekannte kam ich auf die Idee, Au Pair zu werden. Ich hatte schon ein bisschen Erfahrung mit Kindern und stellte mir das Leben in einer Familie im Ausland spannend vor. Also bewarb ich mich für Norwegen, wohin ich am liebsten wollte.

Leider gab es nicht so viele Familien dort, die ein Au Pair wollten. Darum bekam ich durch MultiKultur einen Gastfamilienvorschlag aus Finnland, einem Land, mit dem ich mich vorher nie richtig auseinandergesetzt hatte. Da ich schon längere Zeit auf eine Familie gewartet hatte, war ich sehr glücklich darüber und nach ein paar Skype-Gesprächen hatte ich mich für diese Familie entschlossen. Während der Suche habe ich oft mit MultiKultur telefoniert und wirklich tolle und nette Hilfe bekommen, um die Suche zu beschleunigen!

Nun kam ich also Mitte September in Finnland an. Der Empfang meiner Gastfamilie war nicht ganz so herzlich, wie ich es mit gewünscht hatte, aber alle waren nett. Die Kinder waren ein Junge (9 Jahre) und ein Mädchen (7 Jahre).

Johanna au pair in finnlandDie erste Zeit war nicht ganz einfach, weil ich alles kennen lernen musste, kein Wort Finnisch sprach und die Kinder sehr verschlossen waren. Außerdem vermisste ich natürlich meine Familie. Meine Gasteltern sind getrennt, daher waren die Kinder alle zehn Tage für fünf Tage beim Vater und ich hatte frei. So viel Freizeit mag am Anfang toll klingen, doch für mich war es sehr schwer. Ich bin gerne in Gesellschaft und war es nicht gewöhnt, völlig alleine zu sein (meine Gastmutter war in dieser Zeit immer bei ihrem Freund, auch nachts). Außerdem kannte ich noch niemanden und es war auch nicht so einfach, andere Au Pairs in meiner Umgebung zu finden. Falls man also überlegt, in den Norden zu gehen, muss man damit rechnen, dass andere Au Pairs etwas weiter entfernt wohnen! Dank Facebook und MultiKultur habe ich aber dann doch ein paar sehr nette Au Pairs kennengelernt, mit denen ich teilweise immer noch viel Kontakt habe. Im Laufe der Zeit hat sich dann ein Alltag eingependelt und ich kam ganz gut zurecht.

In Finnland sind Handys unter Kindern noch viel präsenter als hier, so auch in meiner Gastfamilie. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Kinder so medienabhängig sind. Der Junge war zu nichts zu motivieren und verbrachte, wenn ich frei hatte, den ganzen Tag vor dem Tablet, denn die Mutter interessierte das nicht. Das war sehr belastend für mich, weil ich es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Andererseits konnte ich das Mädchen für Dinge (wie Basteln, Backen...) begeistern, die vorher noch niemand mit ihr gemacht hatte, weil die Mutter nicht viel mit den Kindern unternimmt. Zu mir war aber meine Gastmutter immer sehr nett und hat mir viele Freiheiten gelassen. So durfte ich andere Au Pairs einladen, sie besuchen und meine Familie war sogar auch zu Besuch.

Noch kurz zur Sprache: Bevor ich ging, waren viele entsetzt, dass ich ohne jegliche Sprachkenntnisse nach Finnland gehe, wo doch Finnisch eine so schwere Sprache sei. Für mich war es letztlich zwar nicht so einfach ohne Sprachkenntnisse, doch ich kam sehr gut mit Englisch zurecht, habe relativ viel Finnisch gelernt und gemerkt, wie viel Konversation ohne Sprache möglich ist.

Zusammenfassend war es eine sehr ereignisreiche und Erfahrung bringende Zeit, die ich auf keinen Fall bereue! Es ist zwar nicht immer alles so einfach, wie man sich das vorher vorstellt, doch mir persönlich hat es mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit gebracht. Man lernt, die eigene Familie zu schätzen und sieht so viel Neues. Finnland ist nämlich ein wunderschönes Land!

Zukünftigen Au Pairs möchte ich raten, den Auslandsaufenthalt ebenfalls über eine Agentur zu organisieren, denn es ist wichtig, einen Ansprechpartner zu haben.

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