Einen Sommer lang in England als Aupair arbeiten, Englischkenntnisse erweitern und viele neue Erfahrungen sammeln – dies war mein Plan, mit dem ich mich nach langer Internetrecherche an Multikultur gewendet habe. Beim Zusammenstellen der ganzen Bewerbungsunterlagen hat mich die Agentur gut unterstützt und das Bewerbungsverfahren ist ziemlich reibungslos abgelaufen. Die Vermittlung hat zwar deutlich länger als erwartet gedauert - nämlich einige Monate -, dennoch konnte ich pünktlich zur geplanten Zeit die Schweiz verlassen und das Abenteuer in England starten.
Zweifel an meinen Plänen hatte ich nie. Dennoch fühlte ich mich, in Heathrow angekommen, einen kurzen Moment lang allein. Doch sobald ich den engagierten Taxifahrer - in Uniform gekleidet und mit einem Schild mit meinem Namen ausgerüstet - entdeckt hatte, fühlte ich mich gut aufgehoben. Es war ein Freund der Gastfamilie, der mich während meines Aufenthaltes noch einige weitere Male chauffierte und mit dem ich bis heute in Kontakt geblieben bin. Nach einer 40-minütigen Autofahrt nach Binfield wurde ich bei der Gastfamilie sehr herzlich empfangen. Ich war von Anfang an begeistert von der Familie und ihrer offenen, herzlichen Art. Mir wurde ein riesiges, wunderschön eingerichtetes und liebevoll dekoriertes Zimmer bereitgestellt. Ich war überwältigt und fühlte mich gleich sehr wohl in meinem neuen Reich. Dennoch war es die ersten Tage etwas merkwürdig, am Alltag einer bislang fremden Familie teilzunehmen. Ich durfte die Gastmutter sowie die Gastfamilie überallhin begleiten und so bereits in der ersten Woche die Umgebung und viele tolle Freunde und Verwandte der Familie kennenlernen. Dies war mir sicherlich eine grosse Hilfe, schnell in dem fremden Land und dem neuen Zuhause anzukommen. Die Familie hat drei Kinder; eine 14-jährige Tochter und zwei Söhne, sieben Jahre und ein Jahr alt. Zu meinen Aufgaben gehörten die Betreuung der zwei jüngeren Kinder sowie einige Hausarbeiten. Ich habe um die 25 Stunden pro Woche gearbeitet. Nach Vereinbarung mit der Gastfamilie haben wir diese Stunden auf alle sieben Wochentage aufgeteilt. Montags bis freitags arbeitete ich zwei bis drei Stunden pro Tag. Morgens stand jeweils leichte Hausarbeit an: Geschirrspüler ein- und ausräumen, aufräumen, die Wäsche der Kinder machen sowie leichte Putzarbeiten verrichten. Während ich in den ersten Wochen abends häufig kochte, Hausaufgaben mit dem Jungen erledigte oder mit ihm spielte, übernahm ich stattdessen nach einigen Wochen immer öfters die Betreuung des Babys. Dazu gehörten unter anderem auch das Füttern, Baden und ins Bett bringen. Nach meiner Eingewöhnungszeit habe ich jeweils an den Samstag- und Sonntagmorgen die alleinige Betreuung des Babys übernommen, was mir sehr viel Freude bereitete. Vom Aufwachen und dem ersten Schoppen bis hin zum Lunch erledigte ich alle Arbeiten rund um das Baby. Gerade an den Wochenenden standen viele Familienausflüge oder zumindest „eating-outs“ auf dem Plan. Auch dorthin habe ich die Familie meistens begleitet, sei es ein Kinder-, Kultur-, Unterhaltungsoder Abendprogramm gewesen.
Unsere Vermittlung haben die Gastfamilie und ich stets als „perfect match“ bezeichnet. Wir waren schliesslich nicht nur mit der Arbeitssituation sehr zufrieden, sondern auch zwischenmenschlich hat es perfekt gestimmt. Aus einer einst sehr sympathischen, aber fremden Gastfamilie wurden schnell enge Freunde. Nicht nur zu realisieren, dass diese Sympathie auf Gegenseitigkeit beruht, sondern auch zu spüren, dass man geschätzt und gemocht wird, waren sehr spezielle Momente meines Aufenthalts. Immerhin war ich das erste Aupair dieser Familie und mir wurde stets gesagt, dass sie sich kein besseres Aupair wünschen könnten. Diese enge Beziehung zur Gastfamilie war sicherlich der Hauptgrund, dass ich während des gesamten Aufenthalts nie Heimweh verspürte, mich aber nun zurück in der Schweiz das Fernweh packt.
Gerade über Facebook war es auch sehr einfach, andere Aupairs zu treffen. Aupairs aus meiner Umgebung in England haben fast wöchentlich abgemacht, um den verschiedensten Unternehmungen nachzugehen. Entgegen meinen Erwartungen war mir die bisher unbekannte Kultur nicht sehr fremd. Dies lag sicherlich auch daran, dass ich während meines ganzen Aufenthalts sehr international gegessen habe. Dennoch fiel mir auf, dass die Engländer – viel mehr als die Schweizer – eine sehr offene und humorvolle Art haben. Aber auch daran passt man sich sehr schnell an. War ich anfangs vielleicht noch etwas schüchtern, konnte ich schon bald die Gastfamilie mit meiner Schlagfertigkeit überraschen. Ihre anfänglichen Zweifel, ob ich den englischen Humor und ihre Ironie überhaupt verstehen würde, waren dann schnell verfolgen.
Als Aupair zu arbeiten, ist eine super Möglichkeit, auch ohne Sprachschule sehr schnell Sprachkenntnisse zu verbessern. Immer mit der Fremdsprache konfrontiert zu sein, half mir schon nach kürzester Zeit, in Englisch zu denken und zu träumen. Dies waren sehr spezielle Erlebnisse. Zudem könnte ich viele wertvolle Lebenserfahrungen sammeln. Ich würde diesen Schritt als Aupair auf jeden Fall wieder wagen und habe mich tatsächlich schon vor meiner Heimreise in die Schweiz entschieden, auch nächsten Sommer in der gleichen Familie als Aupair zu arbeiten. Ich durfte einen unglaublichen Sommer in England erleben und bin dafür der Gastfamilie und Multikultur sehr dankbar. Wahrscheinlich war die Zeit sogar etwas zu gut, sodass uns der Abschied nach 16 Wochen sehr schwer fiel. Umso mehr freue ich mich schon jetzt, die Familie im nächsten Sommer wieder besuchen zu dürfen.



