Nach meinem Abitur 2012 hatten alle schon Pläne für das, was jetzt als Nächstes kommen soll. Ich leider nicht. Ich hatte mit meinen Bewerbungen fürs Berufsleben in diesem Jahr einfach keinen Erfolg. Eines kam aber für mich nicht in Frage: das Jahr nach dem Abitur Zuhause zu verbringen, auch wenn ich dann jobben würde. Schon in der 10ten Klasse hatte mich so ein Auslandsjahr immer gereizt, aber wie das mal so ist, ist es einfach viel zu teuer und mit 15, zumindest ich, noch nicht mutig genug bzw. hatte ich auch zu wenig Unterstützung von meinen Eltern.
Das mit der Unterstützung von meinen Eltern hatte sich nach meinem Abitur schnell geändert. Sie haben mich total unterstützt, als ich mit dem Wunsch aufkam als AuPair ins Ausland zu gehen, auch wenn es schwer für sie ist ihre Tochter für ein ganzes Jahr gehen zu lassen.
England war dann meine Entscheidung, mit der wir alle zufrieden waren. Ich konnte englisch reden, war im Ausland, und doch nicht zu weit weg, sodass mich auch mal jemand besuchen könnte und meine Eltern wissen dass ich jederzeit bei irgendwelchen möglichen Problemen heimkommen könnte.
Nach einigen Wochen auf der Suche nach einer Gastfamilie bin ich fündig geworden. Nach nur einem Telefongespräch hatte ich die Familie mit der ich das ganze nächste Jahr verbringen sollte. Alles war so aufregend. In nur einem Monat habe ich alle Vorbereitungen getroffen und dann musste ich auch schon packen. In England angekommen wurde ich von meiner Gastmutter empfangen. Bisschen chaotisch ging es zu als ich dann im Haus ankam. Kein Wunder es war eine 6-köpfuge Familie (etwas, was ich zu Beginn niemals gedacht habe - auf 4 Kinder aufzupassen). Aber nun war ich da und für den Anfang hat mir auch das vorherige AuPair sehr geholfen, denn sie hat mir alles gezeigt und mich die komplette erste Woche begleitet.
Nachdem sie gegangen ist, schaute alles ganz anders aus. Plötzlich wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte, viel Stress und ganz viel Heimweh. Das war so das Loch, in das ich gleich zu Anfang gefallen bin. Und dann wurde ich auch noch krank. Nicht der beste Start, um ehrlich zu sein.
Aber von Anfang an hab ich gesagt, dass ich mir mindestens 3 Monate Eingewöhnungszeit gebe. Und die hab ich mir auch genommen- und ich hatte sie definitiv gebraucht. Nach 3 Monaten hatte ich Freunde und viel Spaß an der Arbeit. Ich konnte mich endlich wohlfühlen. Und ich weiß auch noch genau nach ca. 2 Monaten war ich mit einer Freundin im Kino in Oxford und als wir auf den Bus gewartet haben, haben wir uns noch in ein Cafe gesetzt und das war das allererste Mal, als ich mir selbst gesagt hab „hier bist du daheim“ und komischerweise hat sich auch alles wie daheim angefühlt, obwohl ich 1074km / 668 Meilen von meinem eigentlichen Zuhause und meiner Familie entfernt war.
Ab da ging alles bergauf. Ich hatte Spaß und konnte mein Jahr genießen, viele Sachen unternehmen und viele Leute aus den verschiedensten Ländern kennenlernen. Auch habe ich in England das Tanzen angefangen und es war bis zum Schluss einer der wichtigsten Termine der Woche in meinem Kalender.
Weihnachten habe ich mit meiner Gastfamilie verbracht und ich war richtig glücklich, dass ich mich dafür entschieden habe. Ich hatte ein tolles und unvergessliches Weihnachten 2012 – sogar ohne Heimweh. Das könnte aber auch da dran liegen, dass kurz nach Weihnachten meine Eltern zu Besuch kamen. Am 29.12. hab ich meine Eltern am Flughafen empfangen. Dieses Gefühl ist nahzu unbeschreiblich, seine Eltern nach so langer Zeit wieder zu sehen! Umso komischer ist das Gefühl, wenn man nach 10 Minuten nichtmal mehr merkt, dass man überhaupt weg war. Alles war wie immer und es hat sich wie angefühlt, als ob ich mit meinen Eltern im Urlaub wär. Dann gings ab nach London in ein Hotel. Wir haben ein wunderschönes Silvester in London verbracht und danach gings in mein Zuhause nach Oxford, wo meine Eltern bei mir im Anbau des Hauses übernachtet haben.
Nach insgesamt 8 Tagen in England ging es für sie wieder nach Deutschland. Der Abschied war natürlich schwer, aber überraschenderweise nur für den Moment. Am selben Tag hab ich mich noch mit meinen Freunden getroffen, um von den verschiedensten Weihnachtserfahrungen zu berichten, wobei viele von ihnen Weihnachten Zuhause verbracht haben. Im Februar war ich dann mit meiner Gastfamilie im Urlaub Skifahren, es ging nach Norwegen und war ein wunder wunderschöner Urlaub!
Nach diesem Urlaub war alles aber ein bisschen anders. Meine 2 besten Freunde gingen im Februar wieder zurück in ihr Land und ich stand wie alleine da. Mir war öfters wieder langweilig. Aber mit der Zeit hatte ich hier und da ein paar Leute kennengelernt, mit denen ich ab und an mal was gemacht hab. Eine neue „beste Freundin“ war da aber nicht dabei. Ich hab viele Aupairs ein oder maximal 2mal getroffen. Ich mein, das hat mich beschäftigt und abgelenkt für den Moment, aber so richtig glücklich war ich auch nicht. Dennoch gings mir gut. Dann kam Besuch aus Deutschland von einer Freundin und mit einer anderen Freundin aus Deutschland, die auch Au Pair in England war, jedoch weiter weg wohnt, habe ich mich für 2 Konzerte in London getroffen. Dann ging es auch mal – nicht geplant - für mich zur+ck nach Deutschland für 5 Tage für ein Bewerbungsgespräch – ich hatte den Job!!! Aufatmen war dann erstmal angesagt und ich konnte alles noch ein bisschen mehr genießen.
Schließlich dann im April, nachdem mich eine andere Freundin noch besucht hat, bin ich nach langer Zeit wieder auf eine andere AuPair Freundin gestoßen und letztenendes habe ich mich in den letzten 2,5 Monaten super in die Gruppe eingegliedert. Ich hatte endlich wieder Freunde mit denen ich ständig was unternehmen konnte und hatte auch richtig viel Spaß dabei. In der finalen Zeit meines Auslandsjahres hatte ich noch ganz viel unternommen, ganz viele Ausflüge und Konzerte und einfach ganz viel Spaß. In meiner allerletzten Woche in Großbritannien ging ich mit einer Freundin noch nach Schottland und sind dort oben mit unserem Rucksack herumgereist und haben ganz viel von Schottland gesehen.
Ich muss sagen, dass das eine sehr gute Entscheidung war, das zu machen, nicht nur weil es noch ein super Urlaub war, sondern auch weil es mir den Abschied von England/UK und vor allem von meiner Gastfamilie erleichtert hat. Es hat sich zumindest so angefühlt, als ich mich von der Gastfamilie verabschiedet hab, dass ich mich zumindest noch nicht von UK verabschieden muss und am Flughafen nach userem Schottland-Urlaub, war es, als ob ich vom Urlaub zurückkommen würde. Alles in allem habe ich in deme Jahr ganz viel erlebt und Erfahrung gemacht, die mir keiner mehr nehmen kann und auf die ich ganz ehrlich sagen kann, dass ich stolz bin. Ich habe positive und negative Erfahrungen, witzige und traurige Momente gehabt, aber ich würde doch sagen dass das Gute überwiegt und man auf alle Fälle wenn man den Wunsch hat ins Ausland zu gehen, das einfach machen sollte und es zumindest versuchen sollte, denn keiner von den Leuten, die ich kennengelernt habe, hätten sich das zuvor zugetraut und so viele davon haben es trotzdem geschafft. Ich selbst und auch viele andere hätten mir das nie zugetraut so lang wegzubleiben, aber wenn man es erstmal versucht und sich selbst Zeit gibt, sich einzugewöhnen, dann schafft man das auch. Und falls es einem dann nach dieser Zeit immer noch nicht gefällt kann man zumindest sagen, dass man es versucht hat und es zwingt einen ja keiner sich durch das Jahr zu quälen. Bei mir ist aber ja alles gut gegangen und ich kann noch unendlich viele ganz tolle und schöne geschichten erzählen, was ich in dem Jahr alles erlebt habe.