Nach dem Abi habe ich mich entschieden, für 10 Monate als Au Pair in Schweden zu arbeiten. Ich habe unterschiedliche Eindrücke vom Leben in schwedischen Familien bekommen, da ich in zwei verschiedenen Gastfamilien war.
In der ersten Familie wohnte ich zusammen mit meiner geschiedenen Gastmutter Ulrika, meinen beiden Gastkindern Tanya (11) und Nicolai (8), einer Katze und Hühnern in einem riesigen, typischen, roten, schwedischen Holzhaus. Ich war sprachlos, als ich auch noch den schönen, großen Garten gesehen habe. Ich habe mich dabei gleich ein wenig wohlgefühlt, da dies für mich auf eine Art gemütlich wirkte.
Nach meiner Ankunft wurde ich von allen dreien herzlich empfangen und die Kinder haben mir sofort das ganze Haus gezeigt. Am ersten Abend haben wir über meine Aufgaben gesprochen, die eher untypisch für ein Au Pair waren, da vor allem kochen, Hausarbeit und Gartenarbeit, sowie das Kümmern um die Tiere dazu gehörten. Denn die beiden Kinder wohnten jede zweite Woche bei ihrem Vater und Ulrika arbeitete währenddessen in Norwegen, sodass ich in dieser Zeit statt der Kinder, den Haushalt und die Tiere hatte, um die ich mich kümmerte.
Jeden Tag bin ich in die 5 min entfernte Volkshochschule gegangen, in der ich an einem Schwedisch- Kurs teilgenommen habe, sowie an einem Kochkurs, einem Englisch-, Mathe- und Naturkundekurs. Dort habe ich auch sofort nette Leute (nicht nur schwedische) kennengelernt, mit denen man sich vor den Kursen und in den Pausen sehr gut unterhalten konnte. Das half mir sehr gegen Heimweh am Anfang und gegen den Nachteil, dass in dem Ort kein weiteres Au Pair mehr war. Auch in den Nachbarstädten, Karlshamn und Karlskrona, gab es zwar keine Au Pairs, jedoch war es kein Problem mit Au Pairs aus beispielsweise Lund in Kontakt zu bleiben und sie zu besuchen, da die Züge auch in solch einem kleinen Ort sehr gut fuhren. Außerdem erlaubte mir meine Gastmutter auch, gerne Au Pairs übers Wochenende einzuladen.
Ich habe sehr viel über das Kochen gelernt, da ich vorher kaum Erfahrung im Kochen hatte. Doch dadurch, dass ich jeden Abend warm gekocht habe, lernte ich viel Neues. Auch über Gartenarbeiten habe ich viel gelernt, da ich vorher kaum etwas im Garten gearbeitet habe.
In der zweiten Familie lebte ich zusammen mit meinen Gasteltern Klas und Ulrika, sowie meinem 7- jährigen Gastkind Annika und dem Hund Keira. Bevor es nach Hause ging, fuhren ich und Klas zu Annikas Schule, um sie abzuholen, wodurch ich schon einmal die Schule kennenlernte. Danach ging es weiter zur Hundetagesstätte, um Keira abzuholen. Als wir zu Hause ankamen, war ich zunächst von der Modernität der Küche und des Wohnzimmers beeindruckt. Außerdem hatte ich unten im Keller mein kleines Zimmer und ein Bad, welches ich mir nur mit meinem Gastvater teilte. Von daher war man auch so, dadurch, dass man im Keller sein Zimmer hatte, für sich. Am Abend kam auch Ulrika von der Arbeit zurück und wir haben zusammen meinen Aufgabenplan erstellt. Ich sollte vor allem im Haushalt helfen und mit dem Hund 2- 3 Mal am Tag rausgehen. Ansonsten sollte ich jeden Morgen das Frühstück und den Schulsnack für Annika vorbereiten, sowie sie nachmittags von der Schule abholen. Ich hatte vormittags relativ wenig freie Zeit, konnte aber zweimal pro Woche zum Schwedisch- Kurs in die „folkuniversitet“ gehen. Ich habe auch sofort über den Sprachkurs andere Au Pairs kennengelernt, von denen viele bei mir in der Nähe wohnten. Mit vielen von ihnen habe ich regelmäßig an den Wochenenden, an denen ich immer frei hatte, etwas unternommen. Wir haben uns oft bei jemand von uns zu Hause getroffen, haben zusammen gekocht, DVD- Abende gemacht, sind in der Stadt shoppen oder Essen gegangen, haben Bootsausflüge auf die Insel Ven und Helsingör gemacht und waren sogar für ein Wochenende in Oslo. Ich war sehr froh, meine neuen Freunde so nahe um mich herum gehabt zu haben, da sie das ab und zu aufkommende Heimweh vertrieben haben. Außerdem war ich begeistert von der großen Innenstadt, in der es alles gab, wie beispielsweise genügend Shoppinggelegenheiten, einen schönen Hafen und Discotheken. Es erinnerte mich an deutsche Kleinstädte.
Für mich waren es besonders die anderen Au Pairs und all unsere Unternehmungen, besonders die Oslo- Reise, die mehr geholfen haben, Heimweh und schlechte Laune zu verdrängen, sowie den Alltag zu meistern, da man immer mit jemandem sprechen konnte, der Ähnliches erlebte und kleine Tiefpunkte nachvollziehen konnte. Aber auch durch Ähnlichkeiten zur deutschen Kultur und die Jugendlichkeit und Gelassenheit der Menschen fühlte man sich wohl. Ich denke daher, dass es sehr wichtig ist, an einen Ort zu gehen, an dem es mehrere, andere Au Pairs gibt. Außerdem sollte man offen gegenüber neuen Aufgaben sein, die man vorher vielleicht nicht erledigt hat und sich daher sicher sein, dass man diese schaffen kann und will. Und natürlich sollte man Kinder mögen.
Ich werde jedenfalls noch viele Male nach Schweden zurück kommen, um noch mehr zu erleben und andere Städte kennen zu lernen, da mich das Land begeistert hat.







