Immer wieder werden wir von Au Pairs gefragt, was sie machen sollen, wenn ihnen eine Familie gefällt, die Familie aber weit weg von großen Städten wohnt. Viele reizt die Aussicht auf eine ganze andere Umgebung und schöne Natur, aber meist kommen auch eine ganze Reihe Zweifel auf. “Was mache ich da denn ganz allein? Da sind ja sicher keine anderen Au Pairs? Werde ich da nicht ganz furchtbar einsam sein?” sind die häufigsten Fragen, die uns gestellt werden. Sicher ist ein Jahr als Au Pair in der Wildnis nichts für jedermann, aber dass es auch eine einmalige Erfahrung sein kann, davon berichtet heute Antonia, eines unserer Au Pairs in Norwegen :)

 

“Ein Au Pair-Leben auf einer Farm und dann auch noch weit weg von anderen Au Pairs und großen Städten. Geht das überhaupt?

Die Antwort lautet: Ja! Seit 8 Monaten lebe ich inzwischen auf einer Fischfarm in Norwegen und ich kann nur sagen es ist die beste Entscheidung meines Lebens gewesen.

Die größte Stadt von hier ist etwa 10 min entfernt, hat aber nur 2000 Einwohner.

Wir haben ein kleines Shoppingcenter mit circa 20 Läden, man hat also alles was man braucht zum überleben, Freizeitaktivitäten sind aber eher beschaulich. Das Einzige was mir als Angebot zur Verfügung steht ist Schwimmtraining mit 12-18 Jährigen. Da ich Schwimmen aber nicht so gern habe, bin ich oft auf mich allein gestellt, denn andere Au Pairs sind einfach zu weit entfernt. Viele leben in Oslo, 180 km von mir weg, was in Norwegen 3,5 Stunden Autofahrt bedeutet. Das sind zwar diejenigen die ich am schnellsten erreichen könnte, aber jeden Tag mache ich das dann doch nicht.

Für solch ein Leben benötigt man ein ziemlich gutes Verhältnis zu seiner Gastfamilie, sonst würde es nicht funktionieren.

Ihr fragt euch sicher: Was mache ich hier die ganze Zeit?

Die ersten Monate habe ich einige Wanderausflüge mit meiner Gastfamilie unternommen. Ich war auf einigen Bergen und habe wunderschöne Natur bestaunen dürfen. Als dann im Dezember der Schnee kam, lernte ich Skifahren – Langlaufen und Abfahrt. Ich hätte nie gedacht, dass Langlaufen so viel Spaß machen kann! Es ist absolut zu einer neuen Leidenschaft von mir geworden, die ich in Deutschland weiterführen möchte.

Langweilig wird mir nicht so schnell. Wenn wir mal zu Hause sind, dann habe ich auch immer etwas zu tun. Ich habe Stricken gelernt und kann inzwischen schon meine eigenen Pullover stricken, Traktor fahren und noch vieles mehr. Wenn ich dann wirklich mal Langeweile habe, dann ist meist ein Kind da, was spielen will. Jedoch lässt mir meine Gastfamilie auch meine Freiheiten, sodass ich auch einfach mal in meinem Zimmer entspannen kann oder selber etwas unternehme.

Wenn man mit der Gastfamilie so viel zusammen ist, lernt man die Kultur des Landes noch viel besser kennen als Au Pairs, die sich viel mit anderen Au Pairs treffen. Ich habe so viel typisch norwegische Traditionen erlebt. Wir waren Eisfischen, haben zu Ostern im Schnee gegrillt oder auf einer typisch norwegischen Hütte ohne Wasser und ohne Strom Urlaub gemacht.

Durch soziale Medien, habe ich trotzdem Kontakt mit anderen Au Pairs und habe auch schon so einiges mit ihnen unternommen oder wir haben uns gegenseitig besucht.

Natürlich ist solch ein Leben nichts für Jedermann und man muss schon etwas verrückt sein und auch abenteuerlustig, um es durchzuziehen.

Meiner Meinung ist der 1. Punkt bei der Suche nach einer Gastfamilie, die perfekte Familie für einen selber zu finden. Man sollte nicht nach Wohnorten aussuchen. Ich habe die perfekte Familie gefunden und da kann sogar ein Leben in der Wildnis zu einem der schönsten Leben werden, die man sich vorstellen kann.

Jedoch muss man schon ein Familienmensch sein, den es nicht stört ständig mit einer Familie zusammen zu sein. Des Weiteren sollte man sich bewusst machen, ob man das wirklich in Ordnung findet, dass man andere Au Pairs nicht so schnell treffen kann.

Ich kann nur immer wieder sagen, ich bin froh zu dem Leben in der Wildnis Ja gesagt zu haben.

Man lernt ein Land einfach noch viel intensiver kennen und das ist ja auch das Ziel solch eines Jahres.

 

 

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