Der Blick der goldenen Buddha-Figur neben mir wirkt weise und irgendwie zuversichtlich, geht über den Horizont hinaus bis in andere Länder, so intensiv wie meine Zeit in Indonesien. Meine Gedanken schweifen in die weite Welt… Wer kennt solche Situationen und Empfindungen nicht?

“Travel is the only thing you buy that makes you richer”

-Unbekannt-

Fernweh

Fernweh. Ein Wort, das sich ziemlich selbst erklärt; ein Wort, das mir auch vor meiner Reise schon ein Begriff war; das sogar für meine Entscheidung, zwei Monate Freiwilligenarbeit zu machen, nach Bali zu gehen und mich dort in Freiwilligenprojekten zu engagieren, ausschlaggebend war. Damals war es noch ein undefiniertes Gefühl, einfach das Verlangen, raus in die Welt zu ziehen und andere Erfahrungen zu machen.
Jetzt, wo ich schon einige Wochen wieder zu Hause bin, hat Fernweh für mich noch eine andere Bedeutung bekommen, ist greifbarer geworden.

Sehnsucht nach Abenteuer

Zuerst einmal hat das „-weh“ noch einen tieferen Sinn erlangt: Tatsächlich ist es nicht selten der Fall, dass mein Wunsch, wieder auf Reisen zu gehen, meine Sehnsucht wieder in neue Abenteuer einzutauchen, so stark wird, dass es wirklich beinahe schmerzt.
Insbesondere wenn hier mal wieder tagelang kalter Regen an die Scheiben plätschert, fällt es mir nicht schwer, mich woandershin zu phantasieren. Hat man erstmal seine erste große Tour unternommen, so ist die Entdeckerlust wie ein kleines Kind, das einfach nicht einschlafen möchte und dich wach und aufmerksam hält.
Unmittelbar nachdem ich zurückkam, war das Gefühl am stärksten, am liebsten wäre ich sofort wieder in den Flieger gestiegen und zurück gejettet, doch auch jetzt tritt es noch hin und wieder auf, zum Teil ganz unerwartet und überraschend. Der Geruch von Räucherstäbchen, dem ich neulich in einem Laden begegnete. Die Cap eines Mannes im Zug, auf der „Uluwatu, Bali, Indonesia“ steht, mit einer Surferwelle bedruckt. Das Reisgericht „Nasi Goreng“ beim Asia-Restaurant im Nachbarort. Bestimmte Lieder, Klänge… Und natürlich Fotos. Manchmal reicht eine Kleinigkeit, um mich in mein Abenteuer zurückversetzt zu fühlen. Dann lässt mich schon der Anblick meiner bunten Pluderhosen vom dortigen Straßenmarkt glücklich und wehmütig zugleich an die tolle Zeit zurückdenken.

Fernweh = Heimweh

Dieser physische Schmerz, wenn sich das Herz vor Sehnsucht zusammenzieht, wie es auch beim Heimweh manchmal vorkommt, führt mich zur zweiten Bedeutung des Fernwehs, die ich für mich gewonnen habe.
Paradoxerweise ist für mich das Fernweh mittlerweile untrennbar mit dem Heimweh verbunden, bedeutet sogar manchmal fast dasselbe: Das Gefühl, auf Reisen zu sein, sowie Bali mit seinen Stränden, den türkisen Weiten des Ozeans, der Silhouette beeindruckender Tempel, die sich dunkel vor den mächtigen Sonnenuntergängen abzeichnen, die Gerüche nach fremdartigen Gewürzen, das satte frische Grün des Regenwalds und nicht zuletzt all die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte…  All das fühlt sich jetzt wie Zuhause an.
Sodass aus meinem „Fernweh“ nun gleichzeitig ein „Heimweh“ wird. Insbesondere die Stadt Ubud, beziehungsweise das danebenliegende Dorf Penestanan Kaja, in dem wir wohnten, ist mit jedem Wochenende, an dem ich reiste und von dem ich zurück kam, mehr zu einem Heim geworden, in dem ich mich sehr wohl gefühlt habe.
Ich würde jedem raten, der länger unterwegs ist, mindestens zwei oder drei Wochen an einem Ort zu bleiben, um sich wirklich darauf einlassen zu können und auch dem Ort und seinen Bewohnern Gelegenheit zu bieten, sich auf dich einzulassen.
Das allgemeine Fernweh nach neuen Städten, Ländern, Kulturen, bleibt also; dazu kommt das Fern- beziehungsweise Heimweh nach Bali und anderen Zielen und Zeiten, wo ich gewesen bin und die ich liebe.

Lust auf mehr

Für mich waren die Erfahrung meiner Reise nach Bali und das dazugehörige Fernweh wie ein Katalysator. Die vielen Eindrücke gaben neue Energie und Lust auf mehr.
Nun stellt sich die Frage, wie man mit dem Fernweh umgehen kann, schließlich ist es leider oft nicht möglich (finanziell, familienbedingt, zeitlich, studien-/ausbildungs-/berufsbedingt…) gleich wieder auf Reisen zu gehen.
Ich habe darauf mehrere „Antworten“ gefunden: Manchmal braucht es gar nicht viel, dann reichen ein paar Frühlingsrollen, die mich für kurze Zeit gefühlt wieder in Asien sein lassen.
Was mir auch etwas hilft, ist mich mit Menschen zu unterhalten, denen es genauso geht, die selbst dieses „Fieber“ oder eben das metaphorische kleine Kind in sich haben, mit denen man dann gemeinsam träumen, sich austauschen oder sogar neue Reisepläne schmieden kann.

Ebenfalls schön ist, wenn man potentiell schon einen Ort hat, wo es einen hinzieht und sich diese Reise als Ziel vornehmen kann: Schon mal im Kalender Urlaub/Semesterferien abchecken und vielleicht sogar schon anfangen, für das neue Abenteuer zu arbeiten und zu sparen. Mich motiviert es, in Zeiten des Alltagsstress etwas vor Augen zu haben, auf das ich mich freue.

Auch Kurzreisen oder Ausflüge sind eine Möglichkeit. Dich treibt das Fernweh, du willst mal wieder raus von zu Hause und dem gewohnten Trott, aber es kann nicht gleich nach Thailand oder Ecuador gehen? Dann erkunde doch einfach mal das eigene Land, die eigene Umgebung, mach irgendetwas, was du noch nie gemacht hast. Nimm mal eine andere Straße, steige eine Haltestelle früher aus und laufe den Rest; lass dich treiben… Oft finde ich so Ecken, die schön oder aufregend oder einfach neu sind, nur Meter von den gewohnten Pfaden entfernt. Mit dem Fahrrad oder der Tram oder zu Fuß – bloß mal woanders.
Oder was spricht gegen einen Wochenendtrip in die nächste oder übernächste Stadt? Oft gibt es genug kostengünstige Möglichkeiten auch im eigenen Land mal Reisender zu sein.
Natürlich sind all das nur Überbrückungsmöglichkeiten, wie eine Süßigkeit, die das Kind wenigstens kurzfristig ablenken; aber das Ziel ist ja auch gar nicht, das Fernweh zu unterdrücken. Ich finde es sogar im Gegenteil etwas Tolles, Wertvolles, dieses Gefühl der Neugier in sich zu tragen. So wird es auf jeden Fall nie langweilig.


Zukunftspläne

Dass mich das Fernweh in meinem Leben ab jetzt noch stärker begleiten wird, ist also sicher. Meine Reise hat meine Prioritäten klarer definiert, meine Ziele gefestigt.
Eines davon ist es, später im Beruf genug Geld zu verdienen um mir solche Auszeiten leisten zu können. Auch wenn jetzt erst mal ein Studium ansteht, so ist doch definitiv das Auslandssemester schon fest eingeplant.
Ich wünsche mir, auch in der Zukunft noch Möglichkeiten zu haben, weiter fremde Länder und Kulturen entdecken zu dürfen, andere Menschen und mich selbst anders kennenzulernen... Und bis dahin lächelt mich die kleine Buddha-Figur auf meinem Nachttisch an und erinnert mich an diese Träume.

Inwiefern begleitet dich das Fernweh? Welche Tipps hast du um dein Fernweh zu bekämpfen?

 

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