Ecuador ist ein unglaublich vielfältiges und spannendes Land am Äquator – und heute berichte ich euch, warum es sich auf jeden Fall lohnt, einige Zeit dort zu verbringen.

Ich habe in Ecuador vor 4 Jahren zunächst für einen Monat einen Sprachkurs in der Hauptstadt Quito gemacht und anschließend für 8 Wochen als Freiwillige in einem Naturschutzprojekt im Amazonas-Regenwald verbracht.
Aber fangen wir von vorne an:
Schon der Anflug auf Quito ist spannend: Die Stadt mit rund 2,2 Mio. Einwohnern liegt auf 2850 Metern mitten in den Anden und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Die Aussicht beim Landeanflug ist beeindruckend!
Ich habe anfangs etwas Zeit gebraucht, mich an die dünne Luft in der Höhe zu gewöhnen. Leichte Kopfschmerzen und ständiges Aus-der-Puste-Sein haben mich in den ersten Tagen begleitet. Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt und die Landschaft macht die Anfangsschwierigkeiten allemal wieder wett. Das Stadtgebiet Quitos ist nur 3 km breit, dafür aber 30 km lang. Die Stadt hat viel zu bieten: eine schöne koloniale Altstadt, einen Hügel El Panecillo mit einem großen wachenden Engel und einer tollen Aussicht über die Stadt. Es gibt eine Vielzahl an Sprachschulen, somit trifft man viele Menschen aus der ganzen Welt. Wer Angst davor hat, alleine zu reisen – traut euch! Ihr werdet vom ersten Tag an neue Leute kennen lernen und seid nicht alleine. Darüber hinaus lernt ihr euch selbst besser kennen und lernt, offen auf andere Leute zuzugehen – und vielleicht entsteht ja eine langjährige Freundschaft!

Die Umgebung von Quito ist geprägt von den Anden (Sierra), der größten Gebirgskette der Welt. Von Quito aus kann man viele Tages- und Wochenendausflüge machen: Der aktive Vulkan Cotopaxi lässt sich in einer anstrengenden, aber atemberaubenden Tagestour auf gut 4800 Metern Höhe bis zum Gletscher erklimmen - für mich auf jeden Fall ein Highlight der Reise! Einen weiteren Ausflug wert ist die Äquatorlinie (welche dem Land auch den Namen gegeben hat ;-)) nur 20 km entfernt von Quito und das dazugehörige Museum „Mitad del Mundo“ (die Mitte der Welt). Im Museum kann man mit verschiedenen Experimenten hautnah die magnetischen Kräfte der Süd- und Nordhalbkugel erleben.
Von Quito aus kann man mit dem Bus günstig viele Orte Ecuadors erreichen. Cuenca ist eine wunderschöne Stadt und an der Pazifikküste (Costa)  kann man nicht nur als Surfer ein entspanntes Wochenende am Meer verbringen. Auch mehrtägige Dschungeltouren lassen sich von Quito aus gut organisieren.

Projektarbeit im Amazonas

Für mich ging es nach vier Wochen intensivem Spanisch lernen und vielen tollen Eindrücken für zwei Monate in den Amazonas (Oriente). Wow! Irgendwie war es genauso wie ich mir einen Regenwald vorgestellt habe, aber doch noch viel viel schöner! Eine knappe Stunde von Tena entfernt, habe ich in einer biologischen Station gearbeitet. Da in den 1990er Jahren eine asphaltierte Straße gebaut wurde, ist die Station heute gut zu erreichen. Die Anzahl der Autos, welche die Straße täglich passieren, lässt sich aber an einer Hand abzählen, somit ist es trotzdem sehr ruhig.
Insgesamt konnten ungefähr 20 Freiwillige in dem Camp wohnen und arbeiten, meistens waren wir ungefähr 12 Leute, international gemischt. Wir teilten uns zu zweit einen kleinen Bungalow, es gab einen überdachten Ess- und Aufenthaltsbereich mit Hängematten sowie ein Sanitärhaus.
Unsere Arbeit bestand hauptsächlich aus Wiederaufforstungsmaßnahmen – das Stück Urwald in dem wir lebten, ist seit den siebziger Jahren in privater Hand und der Besitzer legt viel Wert auf den Schutz und Erhalt der Pflanzen. Auch die Umweltaufklärung von ecuadorianischen Schulklassen war Teil unserer Arbeit – entweder im Reservat oder direkt in den Schulen. Die Arbeit war wegen des tropischen Klimas anstrengend, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht und die Möglichkeit gegeben, sich näher mit den Pflanzen auseinanderzusetzen. Im Reservat gab es sogar eine kleine Bananenplantage.

Viel mehr als die Arbeit, hat mich die Atmosphäre im Regenwald beeindruckt. Ich habe einige Tage gebraucht, bis ich einen Blick für all die unzähligen Tiere und Pflanzen im Regenwald bekommen habe. Auch am Ende habe ich im Vergleich zu den Einheimischen nur einen Bruchteil der Tiere in den Bäumen erkannt. Es ist nie still – man wird immer begleitet von Grillenzirpen, unzähligen Vogelgesängen und dem Geschrei der Affen in den Baumkronen. Nach der Arbeit oder am Wochenende sind die Mitarbeiter des Reservats mit uns über die schmalen, dicht bewachsenen Pfade des Dschungels gewandert und haben uns eine Einführung in die heimische Flora und Fauna gegeben. Spannend, was es alles zu entdecken gibt!
Natürlich gibt es auch giftige Tiere – Spinnen, Schlangen und die Riesenameise (bis zu 2,5 cm lang!). Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt und mit ein bisschen Achtsamkeit verliert man ganz schnell die Angst und lernt mit den Tieren zu leben. Ich kann euch versprechen, dass ihr nach eurer Heimkehr garantiert keine Angst oder Ekelgefühle mehr beim Anblick von Spinnen, Kakerlaken und anderen Insekten habt! ;-)
Von unserem Camp aus konnten wir viele Ausflüge in die tropische Umgebung Ecuadors machen. Zu empfehlen ist vor allem Baños, eine schöne Stadt, umgeben von vielen großen Wasserfällen, die mit einer Fahrradtour leicht zu erkunden sind und zu zahlreichen sportlichen Aktivitäten wie beispielsweise Canoeing einladen.

Die überwiegend indigene Bevölkerung in Ecuador habe ich als sehr gastfreundlich wahrgenommen. Die offene Mentalität und die entspannte Herangehensweise an verschiedene Aufgaben haben mich beeindruckt und ich hoffe, dass ich einiges davon mit nach Deutschland gebracht habe. Die indigene Kultur kann man in Ecuador authentisch erleben – die von Panflöten dominierte Musik, die Gerüche, das von Koriander und Yucca-Palmen geprägte Essen (und die Spezialität gegrilltes Meerschweinchen – kann man mögen oder nicht), die farbenfrohe Kleidung aus Alpaca-Wolle, und die zahlreichen Märkte – all dies wird mir lange in Erinnerung bleiben und mein Herz höherschlagen lassen!

Und die Sicherheit?

Ecuador hat eine hohe Kriminalitätsrate und ist in Bezug auf Sicherheit nicht mit Europa zu vergleichen. Diese Gefahr sollte man nicht herunterspielen, sich aber auch nicht gleich abschrecken lassen. Durch die Einhaltung einiger Regeln, lassen sich Diebstähle und Überfälle gut vermeiden: Ihr solltet keinen Schmuck oder teure Uhren tragen, Bargeld solltet ihr möglichst wenig und nah am Körper mit euch tragen und teure Handys und Kameras möglichst nicht offen mitführen. Von eurer Organisation oder Sprachschule bekommt ihr bei Ankunft ausführliche Informationen darüber, welche Gegenden ihr meiden und gerade nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr betreten solltet. Ich habe mich schnell an die Regeln gewöhnt und mein Verhalten angepasst – somit habe ich mich in keiner Situation unwohl oder bedroht gefühlt. Man bekommt schnell ein Gefühl dafür, was man tun darf oder was man besser lassen sollte.
Meiner Meinung nach, sollte das auf keinen Fall ein Hindernis sein, das aufregende Land am Äquator näher kennen zu lernen!


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