„Warum Island?“ und „Ist es dort nicht immer kalt?“ waren meistens die Sätze die mir jemand entgegnete, wenn ich von meinem Plan nach dem Abi erzählte. Bis heute habe ich auf die erste Frage keine ganz konkrete Antwort, bereue meine Entscheidung aber trotz der ständigen Kälte nicht. Natur, Kultur und Leute unterscheiden sich in den meisten Punkten von Deutschland, was meinen Aufenthalt hier so spannend macht.


Während mein Alltag in meiner 8-köpfigen Gastfamilie relativ unaufregend aus den klassischen Au pair- Aufgaben besteht, erkundige ich an den den meisten Wochenenden das Land. Von Whale-Watching, Nordlichtern, Vulkanerkundungen und diversen Wasserfallbesichtigungen war schon alles dabei. Die isländische Natur hat wahnsinnig viel zu bieten und ich bin auch nach 9 Monaten mit meiner Liste längst nicht am Ende! Man kann natürlich nicht nur die standard Touristen Hotspots an der Ringstraße mit 200 weiteren asiatischen Touristen bestaunen, sondern – da man sich es ab und zu sogar als Au pair mal leisten kann – einzigartige Dinge wie das Tauchen zwischen den Kontinentalplatten oder einen Gang IN einen Vulkan oder Gletscher wagen. Fast alles was es hier in der Natur zu sehen gibt, ist die Fahrt, viele Fotos und den Aufwand zu 100% wert, nie kamen wir bisher von einem Ausflug zurück und waren nicht begeistert! Die Natur hier, kann ihr Aussehen schon innerhalb weniger Kilometer ändern, so besteht sie hier auf der Halbinsel hier hauptsächlich aus Lavafeldern und Bergen, schon hinter Reykjavík gibt es mehr Felder und Platz für Pferde. Lediglich „richtige“ Bäume oder einen Wald wird man hier sicher nicht zu sehen bekommen.

Das einzige was die Stimmung zu einem schönen Wochenendausflug manchmal ankratzen kann, ist das Wetter. In einen Tag passen hier bis zu vier Jahreszeiten mehrfach hinein. Somit muss man immer im Zwiebellook gekleidet sein und kann sich auch dann nicht sicher sein, nicht zu frieren oder zu schwitzen. Was man bei seinem Island Aufenthalt aber getrost zu Hause lassen kann, sind kurze Hosen und – wenn man nicht weggeweht werden möchte - einen Regenschirm. Mit beidem würde man sofort als Tourist belächelt werden.
Genau wie das Wetter, sind auch die Isländer sehr spontan. Speziell diese Eigenschaft ist aus deutscher Sicht manchmal nur schwer zu ertragen und hat mich schon des Öfteren zur Weißglut gebracht. Auf die Frage wie der Plan für den morgigen Tag aussieht, gibt es nämlich generell keine Antwort, Abfahrtszeiten werden drei Minuten vorher ausgemacht und der Einkauf für das Abendessen manchmal erst um 19Uhr erledigt. Die Spontanität hat dennoch auch zur Folge, dass die Isländer ein wahnsinnig entspanntes Volk sind - so schnell bringt hier niemanden etwas aus der Ruhe, sogar wenn zum Beispiel mal eines der Kinder für ein paar Stunden einfach verschwindet... Auch das hat sicherlich seine Nachteile, bringt an vielen Tagen aber selbst mit fünf kleinen Kindern im Haus, eine Art Urlaubsstimmung auf.
Auch vor der isländischen Sprache sollte man nicht zurückschrecken. Sie ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber – wenn man schon Deutsch spricht – einigermaßen gut zu lernen. Man lernt sogar etwas über seine eigene Sprache, wird sich zum Beispiel endlich mal über die verschiedenen Fälle bewusst ;) Die meisten Isländer sprechen jedoch auch Englisch, somit ist die Kommunikation kein Problem. Selbst mein neun Jähriger Gastsohn spricht schon ein ordentliches Englisch, mit den anderen Kindern verständige ich mich auf Isländisch oder – wenn ich mal nicht weiter weiß – einfach mit Händen und Füßen. Die Kinder sind genauso offen wie alle Erwachsenen und nehmen es einem auch nicht übel, wenn man ein Wort mal falsch ausspricht oder nicht korrekt angleicht – zumal auch viele isländische Kinder damit Probleme haben.

Durch die Offenheit und Herzlichkeit der Leute gepaart mit der ungewöhnlichen Natur, ist Island also das perfekte Gastland für Touristen, Au pairs oder Work & Traveler. Es lohnt sich, nicht nur das Land sondern genauso die Kultur näher kennen zu lernen!

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