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Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Erfahrungsbericht Indien, Goa & Udaipur – Wunderbar, verrückt und definitiv anders, als Erwartet

Hallo da draußen :) Vermutlich spielen einige von euch selbst mit dem Gedanken – oder sind schon wild entschlossen und mitten in den Vorbereitungen -, sich für einige Zeit in das große Abenteuer zu stürzen und Indien mit all seinen Facetten kennen zu lernen.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

So ging es zumindest mir, als ich mich durch die verschiedenen Erfahrungsberichte auf der Website von MultiKultur durchgeklickt habe. Und gerade vor der großen Reise hat es mich unglaublich beruhigt und gestärkt, dass ich nicht zur Minderheit zähle, weil ich mir im Vorfeld nun doch das ein oder andere Horrorszenario ausgemalt hatte (diese sind zum Glück nie Wirklichkeit geworden, aber dazu später mehr!). Vor allem haben mich die Geschichten der anderen aber in einem bestärkt: meiner Vorfreude auf ein völlig neues Land, das, wie sich relativ schnell herausstellte, doch eine komplett konträre Welt zu dem uns hier bekannten Leben verkörpert.

Jedoch würde ich an dieser Stelle gerne anmerken, dass man im Voraus wohl so viel über die Erfahrungen anderer lesen kann, wie man möchte – ihr selbst werdet immer eure eigenen Erinnerungen mitnehmen, da jeder nun mal individuell Situationen empfindet, einschätzt, bewertet und aufnimmt. Allerdings ist es doch genau jene Einzigartigkeit des Einzelnen, für die jeder mehr oder weniger im Leben kämpft.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Lange Rede, kurzer Sinn – bei mir kam auf jeden Fall so ziemlich alles anders, als ich es mir ausgemalt hatte! Und damit meine ich nicht nur Indien und das unbekannte Leben, denn ich habe während dieser Zeit auch viel Ungewohntes über mich selbst gelernt.

Goa

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Anfang Oktober ging es also los: der Koffer war gepackt, alle Impfungen abgeholt und der Kopf voller Sorgen und Vorurteile, die alle möglichen Leute noch vor meinem Flug auf mich einregnen lassen hatten… Der Versuch, mir all diese negativen Gedanken aus dem Gedächtnis zu schlagen und Platz für neue, aufregende Erfahrungen zu schaffen, war mir jedoch glücklicherweise gelungen!

So machten meine Eltern, mein Bruder und ich uns auf den Weg zum Flughafen – mein Freund war auch mit im Schlepptau :) Und bis zum endgültigen Abschied lief alles ziemlich reibungslos…aber wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, hab auch ich es nicht geschafft, auf die Tränen meiner Mama ohne entsprechende Imitation zu reagieren. Dementsprechend brachten wir das Geheule so schnell es ging hinter uns und schwupps, saß ich auch schon auf meinem Platz im Flieger.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Damit ging es dann auch schon los, die Geschichte mit den neuen Eindrücken: eigentlich der komplette Flug war von indischen Staatsangehörigen in Anspruch genommen worden und das einzige deutsche Wort war nur ab und an in Verbindung mit der Frage „Möchten sie noch etwas Wasser?“ zu hören. Aber das freute mich unheimlich, denn darauf hatte ich mich tatsächlich fest eingestellt: Laura, ab jetzt werden deine Englischkenntnisse für die nächsten Monate ununterbrochen gefordert sein – also zeig was du kannst!

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Mit diesem Gefühlshoch im Gepäck landete ich dann auch endlich in Goa. Natürlich war der Flug lang und anstrengend, allerdings konnte ich, nachdem mich mein Koordinator Michael recht schnell ausfindig machen konnte, erst mal gar nicht genug davon bekommen, die ganze Fahrt über meinen Kopf aus dem Fenster zu strecken. Meine Euphorie reichte sogar so weit, dass ich das nette Angebot „ich könnte mich doch nochmal im Freiwilligenhaus hinlegen“ dankend ablehnte, um erst mal mit meinen neuen Mitbewohnern (hauptsächlich dem weiblichen Geschlecht entstammend) an den Strand zu fahren – übrigens ein sehr angenehmer Nebeneffekt an dem Haus in Goa, dass der nächste Strand in nur zehn Minuten mit dem Taxi zu erreichen war :)

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Zu diesem Zeitpunkt war der Vorsatz mit dem „nur noch englisch“ allerdings schon wieder vergessen, da außer mir noch zwei andere deutsche Mädels, davon eine sogar auch über Multikultur, in Goa als Freiwillige waren. Dann lässt man sich eben trotz aller Vorsätze manchmal doch dem Genuss der Gewohnheit verfallen. Das aber meistens nur dann, wenn wir mal unter uns waren – man will sich ja nicht gleich am ersten Tag Feinde machen, indem man dem Gegenüber das Gefühl vermittelt, man hetze vielleicht gerade über ihn und benutzt dazu die Sprache, die er nicht versteht.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt: die Koordinatoren achten sehr auf das Miteinander im Haus und versuchen, so möglichst viele Angriffspunkte für Streit und Unwohlsein zu beseitigen. So wird zum Beispiel sehr viel Wert auf das gemeinsame Mittag- und Abendessen, aber auch eben darauf, dass keiner den andern mit z.B. der Sprache ausgrenzt. Für mich war dieser Aspekt auch besonders wichtig und in meinen Augen ist gerade in Goa dieser Arbeitsteil der Koordinatoren äußerst notwendig, da das Haus dort oft sehr voll ist. Vollkommen verständlich, denn wer verknüpft die Freiwilligenarbeit nicht gerne mit Strand und Feiern an den Wochenenden. Allerdings muss man sich dann auch darauf einstellen, dass man eventuell in einem Hochbett im Achterzimmer landet und dass es dort weder Schränke noch Ablagen im Bad gibt. Natürlich sollte dies nicht unbedingt ein Hindernis für eure Reise darstellen – immerhin sieht es in den meisten Hostels auch nicht anders aus und wenn man, wie die meisten Leute die ich dort getroffen habe, nur für zwei bis drei Wochen dort ist, macht das erst recht nichts aus. Will man wie ich jedoch drei Monate dort verbringen, kann so ein vollgestopftes Haus schon schnell mal an den Nerven reiben – bei 14 Freiwilligen plus den Koordinatoren wird dann nämlich auch das gemeinsame Essen zur unmeisterbaren Herausforderung, da weder der Tisch groß genug ist, noch genug Stühle vorhanden sind...

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Zudem fand ich die Tatsache, dass die meisten Leute nur wenige Woche bleiben werden, zu Anfang sehr schade, da vor allem auch in Anbetracht der Freiwilligenarbeit ein längerer Aufenthalt viel sinnvoller in meinen Augen gewesen wäre.

Bald wurde mir aber klar, dass es gar nicht so schlimm ist, nicht so lange zu bleiben: bereits nach zwei Wochen haben alle ihre Projekte, in denen sie zuvor waren, gewechselt und auch generell konnte man sich in vielen Projekten leider nicht so gut einbringen, da einfach manchmal zu viele Freiwillige auf zu wenige Kinder bzw. zu Betreuende kamen – was wiederum jedoch auch positiv zeigt, wie viele junge Menschen sich freiwillig engagieren wollen, weiter so! :)

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von LauraIch selbst war zuerst in einem Center für geistlich behinderte Menschen, das seinen Klienten, unter denen z.B. viele autistische Männer und Frauen sind, helfen möchte, wieder ins Leben und in die Gesellschaft zu finden. Besonders berührt hat mich dabei eine Geschichte der Leiterin der Einrichtung über eine autistische Frau, die von ihrer Familie über Jahre in ein Zimmer gesperrt wurde, um sie vor den Nachbarn zu verstecken – dies zeigt ein noch sehr großes Problem der indischen Gesellschaft, die das Zusammenleben mit behinderten Menschen leider noch nicht als so selbstverständlich und auch normal ansieht, wie es bei uns der Fall ist. Deswegen hat es mich besonders gefreut, durch die Hilfe in der Einrichtung zur Aufklärung bei zu tragen!

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

In den nächsten zwei Wochen habe ich dann vor- und nachmittags mit Kindern aus Slums gearbeitet, für die wir eine Art Ferienbetreuung für die Diwaliferien (Diwali ist das Lichterfest in Indien) anboten. Mit ihnen zu spielen, zu basteln und zu lachen hat mir persönlich einfach unglaublich schöne Momente beschert!

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Jetzt komm ich leider zu einer Sache, die ich von mir überhaupt nicht gewohnt war und die euch hoffentlich nicht, wie es bei mir der Fall war, passiert oder gar schlimmer euch so einige eigentlich schöne Momente verbaut… bereits in meiner zweiten Woche in Indien hatte ich ziemlich mit dem alt bekannten Heimweh zu kämpfen, was sich letztendlich so sehr hochschaukelte, dass ich nach dem ersten Monat meinen geplanten Heimflug um drei Wochen nach vorne zog – also hatte ich noch fünf Wochen übrig, die ich dann allerdings auch voll ausgenutzt habe, dazu aber gleich… Zunächst würde ich gerne noch loswerden, dass ich sehr gut nachempfinden kann, wenn sich Leute erst mal sehr schwer damit tun, sich das Heimweh einzugestehen. Und war dies bereits der Fall, empfindet man dann gerade einen verfrühten Heimflug manchmal sogar als persönliche Niederlage. Allerdings kann ich in diesem Fall nur dazu raten, nicht zu hart mit sich selbst zu sein, denn wenn man das erst mal akzeptiert, kann man den Rest der Zeit im Ausland viel unbeschwerter genießen – so war es zumindest bei mir der Fall :)

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Ach ja, wie habe ich die letzten Wochen denn nun noch ausgenutzt…naja, wir – eine der andern Deutschen und ich - haben sehr schnell in Goa mitbekommen, dass es noch ein Haus der Organisation in Udaipur gibt. Diese Stadt liegt weiter im Norden Indiens, in Rajsathan und mit dem Nachtbus ist man gerne mal an die 28 Stunden unterwegs, ohne die Umsteigezeit in Mumbai zu beachten. Das alles konnte Lena und mich jedoch nicht abschrecken und so wagten wir nach vier Wochen Strand in Goa das Roadtripabenteuer!

Udaipur

Als wir dann ziemlich erleichtert nach dem ganzen Durchrütteln im Bus in Rajasthan angekommen waren, hat es weniger als ein paar Tage gedauert, bis mir folgendes klar wurde: „Mir gefällt es hier einfach tausendmal besser, als dort unten in Goa!“ Allerdings soll hier auch deutlich werden, dass das weder an den unglaublich tollen Menschen dort lag, noch daran, dass mir dort etwa die Projekte nicht gefallen haben. Auf der einen Seite hatte natürlich die Erleichterung durch den früheren Rückflug sehr viel mit der neu gewonnenen Freude und Motivation zu tun.

Aber auch allgemein war dort oben vieles schlicht weg viel angenehmer, als im tropischen Süden:

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Ganz oben steht in diesem Fall das Wetter – denn so schade das für das ebenfalls sehr schöne Goa ist, so sehr hatte mir dann doch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit dort zu schaffen gemacht… War ich ein paar Tage zuvor also noch schlapp und ausgelaugt, machten mir dann in Udaipur die immer noch sehr heißen Temperaturen recht wenig aus. Dazu kam dann auch, dass sich eben viel weniger Moskitos in den Norden verirrten und somit die drei bis vier Dosen Antibrum eher überflüssig wurden :)

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Außerdem war dort die Zimmersituation deutlich besser gelöst worden, als in Goa. Zwar waren wir dort zu Beginn nur drei Freiwillige, dennoch war die höchste Zimmerbelegung bei sechs Leuten. Dazu kamen dann noch Annehmlichkeiten wie geräumige Schränke und ein sehr großzügig gestaltetes Bad – Ich möchte an dieser Stelle keinesfalls verwöhnt klingen, jedoch bin ich der Ansicht, dass der Mensch Raum für sich braucht, um sich langfristig an neuen Orten wohl zu fühlen. Ist man dann mit der Situation, drei Monate aus dem Koffer leben zu müssen, konfrontiert, lernt man schnell einen solchen Luxus schätzen.

Ein wenig angenehmer war für mich in Udaipur auch die Organisation der Projekte: Lena und ich verbrachten unsre gesamte Zeit dort in den gleichen Projekten, wodurch sowohl wir uns, als auch die Kinder sich besser an das jeweilige Gegenüber gewöhnen konnten. Dieser Effekt erwies sich außerdem als unglaublich wichtig, da wir an den Vormittagen zwei Klassen in einer Taubstummenschule betreuten. Zu Beginn tat besonders ich mich noch mit der Vorstellung schwer, in naher Zukunft einmal effektiv mit den Kindern dort arbeiten zu können. Doch je länger wir dort waren, desto mehr ließen sich die Kleinen auch auf uns ein und zum Schluss war ich mir sicher – ich hätte in keinem bessern Projekt landen können! Denn auch wenn sie es nicht in Worten ausdrücken konnten, so werde ich die Freude, die wir den Kindern schenken durften und auch jenen Respekt bzw. jene Freundschaft, die sie uns letztendlich gegenüber aufbrachten, nie im Leben wieder vergessen. Einmal mehr durfte ich Zeuge davon werden, was ein Lächeln alles ausdrücken und bewirken kann!

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Dementsprechend viel mir persönlich der Abschied von Udaipur und seiner unglaublich schönen Umgebung erheblich schwerer, als die damalige Abreise in Goa. Dort fühlte ich mich nicht nur wohler, sondern ich lernte auch gerne die Besonderheiten oder auch Eigenarten Indiens schätzen. Immerhin kann nicht jeder von sich behaupten, mit einem Tuktuk einem Elefanten die Vorfahrt genommen zu haben!

Mit diesen Erinnerungen im Hinterkopf verbrachten Lena und ich die letzte Woche dann doch noch als waschechte Touristen, was manchmal doch ganz schön entspannend sein kann! Endlich konnten wir einmal über die Märkte schlendern, ohne an den Unterricht am nächsten Tag denken zu müssen :)

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Den Abschluss der eigenen Reise dann noch mit einer Kamelsafari mit einer Nacht unter den Sternen in der Wüste und dem Abenteuer „Couchsurfing in Mumbai“ zu versüßen, kann ich euch allen nur wärmstens empfehlen!

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Indien von Laura

Nun sind es genau zwei Monate her, dass ich in Mumbai wieder in den Flieger zurück nach Frankfurt stieg… Seit dem konnte ich nochmal in Ruhe über vieles nachdenken und sehe so einiges auch anders bzw. nicht mehr so extrem, wie ich es noch frisch wieder in Deutschland tat.

Und auch, wenn ich einige in meinen Augen nicht so prickelnde Dinge während meiner Zeit im bunten Indien durchlebt habe, bin ich mir in einem sehr sicher: Dieses unglaubliche Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen und ich bin einfach unheimlich dankbar dafür, so viel neues erlebt, wie auch gelernt zu haben!

 

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