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Ecuador

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Ecuador von Daniel

Im Herbst 2014 war ich für eine Woche Sprachschule und acht Wochen Freiwilligenarbeit in Quito. Am Flughafen bekam ich sofort einen Eindruck vom südamerikanischen Chaos, als ich mit einem prominenten ecuadorianischen Sportler die Ankunftshalle betrat. Er wurde mit Fahnen, Sprechchören und Fernsehkameras empfangen. Es war sehr eng und laut und etwas schwierig das Schild mit meinem Namen zu finden. Abgeholt wurde ich von einem der Gastväter, die für die Partnerorganisation die Flughafentransfers übernehmen. Auf dem Weg zur Residenz hat man einen beeindruckenden Blick auf Quito, vor allem Abends. Mein Fahrer war gut gelaunt und ich konnte mich mit meinem Schulspanisch schon mit ihm unterhalten. Er interessierte sich sehr für Deutschland und erzählte mir von den Erdbeben kurz zuvor.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Ecuador von Daniel

In der Residenz bekam ich ein ziemlich großes Doppelzimmer, was ich die meiste Zeit allein belegte. Es gibt dort zehn sehr unterschiedlich große Zimmer, die je nach Bedarf zum Doppel- oder Einzelzimmer umfunktioniert werden. Die Küche ist gut ausgestattet, es gibt ein gemütliches Wohnzimmer und schnelles WLAN aber oft auch kalte Duschen und stundenlange Stromausfälle (der Gasherd läuft trotzdem). Die Wäsche lässt man in einer nahen Wäscherei günstig waschen. In meiner Zeit wohnten durchschnittlich zehn Personen in der Residenz, über die Hälfte der Bewohner waren Deutsche. In den Gastfamilien der Organisation war der Anteil an Internationalen deutlich höher (keine Ahnung warum?!). Es gab viele Belgier, Amerikaner und Skandinavier. Da Sprachschule und Residenz zusammen liegen, treffen sich alle dort und man kann super Leute kennen lernen. Man geht zusammen essen, bowlen, ins Kino (die meisten Filme sind Englisch), Fussball spielen (ganz in der Nähe liegt der große Carolina-Park mit Anlagen für Basketball, Volleyball, Geräteturnen, Joggen, Skaten, Crossbiken und Fussball) und kocht zusammen. Beim Sport lernt man auch schnell Ecuadorianer kennen und verabredet sich zum Fussball.

Die normalen US-Dollar sind das ecuadorianische Zahlungsmittel und man kann sie mit den meisten Karten an Geldautomaten abheben. Man sollte auf keinen Fall aus Deutschland große Scheine oder Traveller-Schecks mitnehmen, die wird man nur sehr schwer los. Günstig sind in Ecuador vor allem notwendige Dinge, die auch Einheimische benutzen, wie Grundnahrungsmittel, Kino, Fussballstadionbesuche und öffentliche Verkehrsmittel. Teilweise viel teurer als in Deutschland sind Luxusartikel, wie Markenklamotten, Fast Food, Weihnachtsbäume (mind. 300$) und Nutella.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Ecuador von Daniel

An Wochenenden und Feiertagen (es gibt ziemlich viele) kann man Quitos Märkte und die Altstadt erkunden, abends ausgehen (Finn McCools und Bungalow sind empfehlenswert) oder per Bus durch Ecuador reisen. Die Busse sind extrem billig, sehr pünktlich und bequem. Gewöhnungsbedürftig ist die Dauerbeschallung durch Radios und Fernseher vor allem bei Nachtfahrten. Die Natur ist unglaublich, macht möglichst viele Ausflüge und vergesst den Fotoapparat nicht! Am besten gefallen hat es mir in Baños, Mindo und an der Küste (die Meinungen über Montañita sind zwiegespalten, ich finde es für ein langes Wochenende sehr gut).

Man kann sich in Ecuador als Europäer allgemein frei bewegen, sollte aber vor allem im Gedränge und in Bussen auf seine Wertsachen achten. Im Bus werden oft Taschen und Rucksäcke aufgeschlitzt. Trotzdem sollte man Bus fahren, da es einfach praktisch und billig ist (mit 25ct quer durch Quito). Nachts sollte man sich nur in Gruppen bewegen und möglichst wenig Geld mitnehmen. Mir ist so in zwei Monaten nichts passiert.

Die Sprachschule ist wirklich hervorragend, in einem modernen Gebäude, mit lustigen einheimischen Lehrern und in kleinen Gruppen. Man lernt in wenigen Wochen so viel, wie in Jahren in Deutschland. Die Sprachschule/Partnerorganisation organisiert auch gemeinsames Kochen, Salsa-Stunden und Taekwondounterricht.

Erfahrungsbericht Freiwilligenarbeit in Ecuador von Daniel

Nach einer Woche ging ich in mein Projekt für Kinder aus Risikofamilien im Park La Carolina. Dort können Schulkinder (ca. 1. bis 6. Klasse) vor bzw. nach der Schule (manche haben Nachmittagsunterricht) essen, spielen und Hausaufgaben machen. Manchmal gibt es Bibelunterricht. Es gibt dort meist mehrere Freiwillige, viele davon aus Ecuador oder dem restlichen Südamerika. Die Freiwilligen helfen in der Küche, im Garten oder bei den Hausaufgaben, größtenteils spielt man aber mit den Kindern. Die Kinder waren sehr nett und aufgeschlossen und kamen immer auf die Freiwilligen zu. Die Kleinen waren total süß und wollten immer basteln oder Spiele spielen, die Großen wollten Deutsch lernen oder natürlich Fussball spielen. Ich wurde schnell sehr vertraut mit den Kindern und habe sie alle ins Herz geschlossen. Nach einiger Zeit haben sie angefangen, mich Toni Kroos zu nennen, und am Ende wollten sie mich nicht gehen lassen. Die Kinder in diesem Projekt haben zwar ein Zuhause aber sie kommen aus einem Risikoumfeld, das heißt sie wohnen bei Verwandten, in ihrer Familie gibt es Drogenprobleme oder Gewalt. Zum Mittagessen kamen oft auch ältere obdachlose Schuhputzerjungen. Die Chefin des Projekts war sehr nett und locker, mal blieb man länger, mal ging man früher. Die Freiwilligenbeauftragte der Partnerorganisation war jedoch streng auf Zuverlässigkeit bedacht, ihr Lieblingswort war "responsable". Die Organisation der Projekte ist super, man kann jederzeit spontan sein Projekt wechseln oder über Probleme sprechen. Es kann aber auch passieren, dass man gebeten wird sein Projekt zu wechseln, wenn irgendwo Freiwillige fehlen.

Im Allgemeinen ist das ganze Chaos und die Spontanität aber toll, auch wenn einige Dinge einfach nicht zu erklären sind. Zum Beispiel musste ich für eine Woche grundlos mein Zimmer wechseln oder Hostelreservierungen verschwinden plötzlich.

Meine Zeit in Ecuador war unglaublich und ich werde auf jeden Fall nochmal zurückkommen. Das Land ist unglaublich und die Menschen sind offenherzig und freundlich. Die Sprachschule und die Residenz sind klasse. Ich kann euch so einen Trip nur weiterempfehlen.

Viele Grüße,
Daniel

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