Au Pair Neuseeland

au pair neuseeland CarolinZu Beginn möchte ich kurz loswerden, dass ich quasi nur positive Erfahrungsberichte gelesen habe, bevor ich nach Neuseeland gegangen bin. Dort musste ich dann erfahren, dass die Realität etwas anders aussieht, aber keineswegs ist das hier ein Bericht schlechter Erfahrungen. Es lief nur nicht alles immer so rund, aber es war so auch nie langweilig oder typisch.

Bevor ich mein Abi endlich hatte, habe ich mir lange darüber Gedanken gemacht, was ich nach der Schule mit meinem Leben anstellen soll. Für mich war klar, dass ich zuerst ins Ausland möchte, um Zeit zu haben mal was von der Welt zu sehen, Neues zu erfahren, interessante Menschen kennenzulernen und eine schöne und hoffentlich stressfreie Zeit zu erleben, bevor der Ernst des Lebens so richtig los geht. Eigentlich wollte ich nie Au Pair werden, aber alleine ans andere Ende der Welt zu fliegen und mir dort selbstständig einen Wohn- und Arbeitsplatz zu suchen, war ein beängstigender Gedanke (Work and Travel fiel also auch weg). Man kann also sagen, dass Kinderliebe und der Wunsch nach einer neuseeländischen Gastfamilie, um den Kiwi-Lifestyle zu leben, weniger ausschlaggebend für meine Entscheidung waren, als Schiss vor anderen Dingen gepaart mit etwas Ratlosigkeit und Verzweiflung.

Bis ich am 21. August 2017 in den Flieger gestiegen bin, gab es noch einiges zu erledigen. Ich habe mich vergleichsweise recht spät beworben und auch erst Anfang Juli meine Gastfamilie gefunden. MultiKultur hat mich mit Checkliste, deren Abarbeitung sehr ratsam ist, und jeder Menge wichtigen Infos zu Versicherung, Flugbuchung und so weiter versorgt.

In Wellington angekommen war das kleinste Problem, dass meine Gastfamilie britisch/kanadisch war und auch erst seit ein paar Jahren in Neuseeland lebte und ich somit den Kiwi-Lifestyle nicht wirklich erleben konnte.

Ein etwas größeres Problem war, dass ich das erste Au Pair der Familie war. Den Kindern, vor Allem dem sieben jährigen Jungen, ist es schwer gefallen, mich im Haus zu akzeptieren, zu respektieren und anzuerkennen, dass „die Neue“ auf einmal das Sagen hat und Sachen genau so wenig durchgehen lässt, wie Mama und Papa.

au pair neuseeland CarolinDas führt uns auch automatisch zum größten Problem: der siebenjährige Junge und Ich. Denn was mir meine Gasteltern leider verschwiegen hatten, war, dass Max ein besonderer Junge ist. Gerade, wenn er nicht genug gegessen hatte, wurde er zu einem kleinen Monster und unglaublich aggressiv. Ich war damit natürlich total überfordert und es hat gut drei Monate und jede Menge Unterstützung und Tipps von meinen Eltern, meinen Gasteltern, meinen Gastgroßeltern und den bisherigen Babysittern gebraucht, bis wir uns tatsächlich mochten und ich akzeptiert wurde. Es lohnt sich von daher garantiert bei einem Skype Interview mal nachzufragen, was die Kinder denn für Marotten haben und auch, wie man als Au Pair damit umgehen soll. Seine Schwester Katie (5) war übrigens der reinste Sonnenschein, wir haben uns von Anfang an gemocht und hatten super viel Spaß.

Gezeigt hat mir das Ganze, dass es immer etwas anderes ist, mit den Kindern, die man betreut, auch zusammen zu wohnen und sechs bis acht Stunden pro Tag alleine für sie verantwortlich zu sein, als z.B. einmal pro Woche Babysitten oder ein Praktikum im Kindergarten. Mir hatte es definitiv an Erfahrung mit gerade schwierigen Kindern gemangelt, obwohl ich mich spätestens nach den Orientation Days gut vorbereitet gefühlt hatte. Man sollte das Au-Pair-Sein also nicht unterschätzen!

Überhaupt kein Problem war das Freunde finden. Ich hatte anfangs Angst, keinen Anschluss zu finden. Diese Angst war allerdings unbegründet, da ich zwar von Anfang an viel Glück hatte und meine engsten Freunde schon im Flieger kennengelernt habe, aber es gab auch eine WhatsApp Gruppe mit allen Wellington Au Pairs gab, die natürlich in der selben Situation waren. So konnte man sich schnell mit anderen verabreden, sich austauschen und sich die Zeit mit Kaffee trinken vertreiben. Die Meistens sind übrigens Deutsche.

Gearbeitet habe ich mit zwei Kindern nur 30 Stunden pro Woche und das ganze sechs Monate lang. Davon hatte ich im Dezember vier Wochen frei, in denen ich herumreisen konnte. Meine Gasteltern haben immer alles mit mir abgesprochen und auch bei gewissen Dingen vorher gefragt, ob ich mir das zutraue und machen möchte.

Ein normaler Tag ging bei mir gegen 7:15 Uhr los. Da habe ich in der Regel Kakao und Frühstück für die Kids gemacht, morgendliche Wutanfälle abbekommen und Katie beim Anziehen geholfen. Irgendwann zwischen 8 Uhr und 8:30 Uhr hab ich die beiden dann zur Schule gefahren und in ihren Klassen abgegeben. Von ungefähr 9:15 Uhr bis 14:30 Uhr hatte ich dann frei. Normalerweise bin ich nach dem Schul Drop-Off wieder heim gefahren, habe in Ruhe gefrühstückt und die Küche aufgeräumt. Dann bin ich entweder in die Stadt gefahren oder ich bin mit dem Auto irgendwo hingefahren.

Mir war es wichtig, dass ich vormittags immer etwas zu tun hatte, weil das die Zeit war, zu der in Deutschland alle geschlafen haben und wenn man alleine zu Hause sitzt und alles ruhig ist, denkt man automatisch zu viel nach. Gegen Heimweh hilft also aktiv sein!

Um 15 Uhr hatten die Kids schulfrei und ich hab sie mit einem kleinen Nachmittagssnack abgeholt. Bei schönem Wetter haben die dann noch bis zu zwei Stunden lang auf dem Spielplatz der Schule gespielt, was mir meinen Job natürlich recht einfach gemacht hat. Dann gab’s dann Dinner, was ich für die beiden gemacht habe. Wir haben viel gemalt und gebastelt, geschrieben und gelesen und auch noch mal draußen gespielt, bis die Eltern dann zwischen 17:30 Uhr und 19:30 Uhr irgendwann nach Hause kamen. Dann haben wir noch gegessen und ich habe die Lunchboxes für den nächsten Tag fertig gemacht.

Alles in allem hat mir die Arbeit schon Spaß gemacht. Die beiden sind mir sehr ans Herz gewachsen. Ich habe viele Erfahrungsberichte gelesen, in denen alle begeistert waren, eine tolle Familie hatten und super Erfahrungen sammeln konnten. Ich würde sagen, dass ich auch sehr viel mitnehmen konnte und nicht dadurch so viel gelernt habe, dass alles immer super war, sondern auch einige unschöne Sachen passiert sind. Aber man darf sich dadurch nicht entmutigen lassen und auch, wenn es zuerst so aussieht, als wäre die Auslandszeit nicht so wie gedacht, sollte man nicht aufgeben. Es gibt immer andere, die in ähnlichen Situationen stecken und mit denen man darüber reden kann und es ist auch nicht verkehrt sich Unterstützung zu holen, wenn man mal ratlos ist, sei es bei Freunden, Familie, Gastfamilie oder der neuseeländischen Organisation und gerne auch Multikultur. Ich bin stolz auf mich, dass ich meine 6 Monate durchgezogen habe, auch mit Startschwierigkeiten, und konnte so ein absolut einzigartiges und unglaublich vielseitiges Land mit einer sehr interessanten Kultur und liberalen Einstellung kennenlernen.

MultiKultur hat sich immer mal wieder erkundigt, wie es mir so geht und ich hatte immer das Gefühl, dass sie sich auch für mich, meine Probleme und auch für schöne Erfahrungen interessieren und da sind, wenn etwas ist (nicht nur während den 6 Monaten, sondern auch noch danach!).

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