21.07.2006 bis 11.01.2007
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Berichtstext: Ich bin direkt nach dem Abi für sechs Monate nach Südamerika geflogen. Da ich die Schule gerade beendet hatte wollte ich nur noch weg aus Deutschland, weg von allem Vertrauten, ein neues Land erleben, Spanisch lernen, Leute kennenlernen, helfen. Kurz: Etwas anderes machen.
Und das habe ich absolut gemacht.
Begonnen habe ich mit einem vierwöchigen Intensivsprachkurs bei VidaVerde, einer kleinen und sympathischen Sprachschule in der Nähe des Mariscal, und der Partnerorganisation von MultiKultur in Ecuador. Da ich wirklich absolut überhaupt keine Ahnung von der Sprache zu Beginn meines Aufenthaltes hatte, hatte ich schon einige Schwierigkeiten mich mit meiner Gastfamilie zu verständigen, die leider überhaupt kein Englisch gesprochen haben (und Deutsch natürlich noch weniger). Aber mit Händen und Füssen geht es dann doch immer, und ohne diesen Zwang das wenige was ich gelernt hatte gleich anzuwenden hätte es mit Sicherheit noch viel länger gedauert bis ich mich unterhalten hätte können.
Nach dem Sprachkurs bin ich dann zu CENIT gekommen, einer Organisation im Süden Quitos die eine kleine Schule beherbergt und sich um Kinder, die hauptsächlich auf der Strasse wohnen, und deren Eltern gekümmert.
Ich wurde auf den Markt Santa Maria eingeteilt, wo ich 6 Wochen mitgeholfen habe. Wir haben die Kinder täglich abgeholt, haben mit ihnen gespielt, gebastelt, gesungen, ihnen versucht Buchstaben und Zahlen beizubringen und ihnen am Ende immer beim Zähneputzen und Gesichtwaschen geholfen. Die Arbeit, das muss ich zugeben, war nicht immer einfach. Die Kinder werden leicht abgelenkt, und wenn wir versucht haben mit den Eltern zu reden den Kindern das tägliche Geld für Süssigkeiten nicht mehr zu geben (die meisten hatten nur noch Zahnstummel), sind wir oft auf taube Ohren gestoßen. Wir haben versucht ihnen Obst zu geben, das sie zwar auch dankbar angenommen haben, Bonbons und Lutscher haben sie sich trotzdem täglich gekauft.
Nach der Freiwilligenarbeit habe ich zwei Monate in einem T-Shirt Laden im Mariscal (das Vergnügungsviertel mit Cáfe's, Bars, Discos... in Quito) gearbeitet, wo ich meine inzwischen akzeptablen Spanischkenntnisse richtig einbringen musste. Da viele Einheimische nur ihre Muttersprache sprechen, war ich für die englisch- und deutschsrechenden Touristen zuständig die in den Shop gekommen sind. Die Arbeit war ok, auch wenn es oft ziemlich langweilig war. Wenn ihr vorhabt Work&Travel in Ecuador zu machen, sucht euch lieber was aufregenderes. Ein Restaurant zum Beispiel. Aber erwartet nicht zuviel, Stundenlöhne von 1,5$ die Stunde sind keine Ausbeute sondern normal... .
Ein Ereignis ganz besonderer Art hatte ich während meiner Zeit in Südamerika. Ich hab den Blinddarm rausoperiert bekommen. Und in der Situation war ich absolut froh das sich die Organisation um mich gekümmert hat. Karla von Ordex hat mich im Krankenhaus besucht, und die Organisation hat sogar meine Krankenhausrechnung übernommen bis ich das Geld von der Versicherung in Deutschland zurückbekommen habe. Trotzdem, falls euch das passiert, ich rate euch eines. Sie werden euch nicht gehen lassen (ich bin fünf Tage im Krankenhaus gewesen), weil sie wissen das ihr bezahlen könnt. Leute mit heller Haut haben dort fast automatisch eine Menge Geld. Beharrt bei jeder Krankenschwester darauf nach Hause gelassen werden zu wollen. Euch auskurieren und Kamillentee trinken könnt ihr auch bei der Gastfamilie.
Die letzten sechs Wochen sowie die Wochenenden während ich gearbeitet habe hatte ich frei und habe sie zum rumreisen genutzt. Unter anderem bin ich nach Otavalo, einem Indiomarkt zwei Stunden nördlich von Quito, war im Cotopaxi-Nationalpark, dem Vogelschutzgebiet Yanacocha, am Strand in Mompiche (Vorsicht: Ich habe mitbekommen das dort im Dezember ein Kind vergewaltigt worden ist und die Polizei nichts unternommen hat weil sie in dem kleinen Ort praktisch nicht existiert), Montanita (das Richtige für diejenigen die gern unter anderen Touristen sind) und am Strand von Punta Blanca, wo ich Silvester bei 35°C verbracht habe. Viel Zeit habe ich auch in Guayaquil, bei einer Freundin die vor ein paar Jahren zum Schüleraustausch bei meiner Familie in Deutschland war, verbracht.
Ecuador ist ein kleines Land, aber es gibt unglaublich viel zu sehen. Ich war übrigens auch noch mit meiner Freundin in Kolumbiens Hauptstadt Bogota. Eine sehr schöne Stadt, und auch nicht gefährlicher, eher sogar sicherer als Quito würde ich sagen.
Wenn ihr in Ecuador rumreisen möchtet ist der Bus fast die einzige Möglichkeit. Sie sind billig und zuverlässig. Wer allerdings von Quito nach Loja möchte sollte das Flugzeug in Erwägung ziehen, für diese Strecke braucht der Bus nämlich knapp 18h.
Wer noch irgendetwas über das Land wissen möchte, fragt mich einfach. Ich helfe euch gerne soweit ich das kann. Liebe Grüsse und allen die demnächst in den kleinen Andenstaat fliegen viel Glück.
Eva