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Programm » Volunteer in Südafrika » Julia S
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Mein Bericht
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Julia S

 März 2006 - Juni 2006
März 2006 - Juni 2006
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Berichtstext: Wir Volontaere waren vorletztes Wochenende in Capetown, ein supertolles “Luxuswochenende”…. Uebernachtet haben wir in einem der beliebtesten und zugleich aeltesten Backpackerhostels Capetown’s mit Blick von Bar und Terasse auf den TableMountain, schlicht genannt “ The Backpack” . Nach der abenteuerlichen dreistuendigen Zugfahrt in der 3. Klasse bestellten wir ein Rikki-Taxi, ein Klapperminibus mit Motorrollermotor, welches uns alle 6 in rasantem Tempo zu unserer Bleibe brachte. Das Hostel ist dermassen gemuetlich und bietet auch leckere Drinks und Speisen, dass wir den gesamten ersten Nachmittag und Abend dort Schach spielend und mit anderen Gaesten diskutierend verbracht haben. Am Abend dann goennten wir uns ein “richtiges Essen” in einem Restaurant mit typisch afrikanischen Spezialitaeten und Livetrommelband, das beliebte Restaurant Mama Africa! Im Kibbutz haben wir uns die letzten Wochen von Nudeln, Nudeln, Brot und Muesli ernaehrt. Mittags gibt es meist Reis, Kuerbis-Gemuesebrei und undefinierbarer Fleischeintopf mit mehr Knochen und Knorpeln als sonst etwas! Wenn man Hunger hat, kann man es essen… :) Am Samstag, Tag 2 in Capetown, besuchten wir Robben Island, das ist eine kleine Insel 12 km vor Kapstadt im Meer, auf welcher frueher das Hochsicherheitsgefaengnis positioniert war. Hier wurde waehrend der Apartheid- Aera auch der ehemalige Praesident Nelson Mandela gefangen gehalten. Die 3 stuendige Fuehrung von einem ehemaligen Gefangenen war sehr detailliert und ging der gesamten Besuchergruppe sehr nahe. Die Rueckfahrt mit dem Boot war fuerchterlich, ich war nicht die einzige seekranke Person und konnte den Rest des Tages kein Essen mehr sehen. Abends wurden die Diskussionen weitergefuehrt und eskalierten beinahe, das Hauptthema war der christliche Glaube im Kibbutz und im Allgemeinen. Der naechste Tag wird uns fuer immer in Erinnerung bleiben… frueh morgens beim Fruehstueck und Blick auf den Tafelberg entschieden wir uns trotz Wolken und starkem Wind, den Aufstieg zu wagen. Schon beim Einsteigen in das bestellte Taxi, welches uns zum Aufstiegspunkt der einfachsten Route brachte, entriss der Wind Emmas Schildkappe auf Nimmerwiedersehen. Der Aufstieg ueber unendlich erscheinende Felsstufen, stets bergauf, erfoerderte bei uns Maedels die letzten Kraftreserven. Nach 2, 5 h wurden wir durch den wundervollen Blick und das triumphierende Gefuehl, den steilen Weg ohne fremde Hilfe bis auf das Gipfelplateau des Tafelberges gegangen zu sein, entschaedigt. Der Wind war oben natuerlich noch viel staerker als am Hang, weshalb die Cable-Station geschlossen war und wir neben 2 Paaren die einzigen am Berg waren! Der muehsame Abstieg konnte uns nicht davon abhalten im Anschluss noch den bunten, lebhaften Sonntagsmarkt zu durchwandern, auf welchem ich ohne Probleme mein gesamtes Geld ausgeben haette koennen. Wunderschoene Holzmasken in verschiedensten Formen und Groessen, Bilder, Wandschmuck in Form von Federn und Decken, Schuesseln, Toepfe, Kissen, geschnitzte Tierfiguren, Speere, Bogen, Pfeile,Spielbretter, Schmuck, Gluecksbringer, Muscheln… Gekroent wurde dieser Tag mit dem ausgiebigen Eintauchen in das Nachtleben Capetowns, gegen drei Uhr mussten wir uns auf dem Heimweg in einer Tankstelle staerken. Wir waren eine bunte Gruppe von jungen Leuten verscheidenener Kontinente und verstaneden uns praechtig an diesem Abend. Am Tag darauf besuchte ich mit einem Londoner die South African National Gallery, welche gerade die Sonderausstellung “ Picasso and Africa” praesentiete. Die anderen Maedels besichtigten derzeit das Kap der Guten Hoffnung, was ich kein zweites Mal sehen wollte (allerdings nur weil die Fahrt dorthin zu teuer ist) Die Heimfahrt erschien ewig in einem Zug ohne Toiletten, aber mit singenden und tanzenden Xhosa’s im Abteil. Zurueck im Kibbutz vergehen die Tage wie im Flug und allmaehlich beginne ich zu begreifen was das Leben hier in der coloured community Roodewal bedeutet. Die letzten Tage war ich ziemlich in mich gekehrt und traurig. Die vielen unumsorgten Kinder gehen wir nicht mehr aus dem Kopf. Ich frage mich: “ Warum, warum gibt es so etwas wie Roodewal und 5 km weiter Villen und Reichtum?” Die letzte Woche war eindrucksvoll, ich durfte im Hospital observieren. Ich habe nun gesehen was Aids mit den Menschen macht und das Tuberkulose toetet. Ich kann das alles gar nicht beschreiben, ihr solltet das selbst sehen und begreifen. “UNBELIVABLE” das war mein Wort der Woche. Es scheint mir momentan sehr suspekt irgendein Beruf zu waehlen, der nichts mit Entwicklungshilfe oder unmittelbar mit Menschen zu tun hat… Alles andere kommt mir gerade so unendlich unwichtig vor! Ich versuche gerade mir mehr Wissen ueber die Geschichte dieser Gegend und Menschen anzulesen, um die jetztige Situation der Armen besser zu verstehen. Allerdings ein ziemlich schwieriges Unterfangen, denn das “Haus” ist voller extrovertierter, flippiger GB- Maedels und ausserhalb des Hauses gibt es zu viele Kinder, die einen sofort in Beschlag nehmen sobald man einen Schritt vor die Tuere macht. Mein Raum fuer Privatsphaere ist im Vergleich zu dem der Leute in der community trotzdem noch hoeher. Eine Wohnung in den vom Staat gebauten Flats ist vielleicht 35 qm gross und darin leben im Schnitt 8 Leute. Und das nicht nur fuer ein paar Monate! Roodewal ist extrem ueberbevoelkert. Diese Woche plane ich nun fuer die verbleibende 5 Wochen. Vielleicht mache ich ein Praktikum im Hospital und verkuerze deshalb meine Reisedauer entlang der Kueste, ich habe sowieso Geldprobleme. :) Ansonsten wird diese Woche ganz den Kindern im Kibbutz gewidmet. Die haben mir naemlich waehrend der letzten Woche im Tuberkulose-Krankenhaus gefehlt. Geniesst eure friedvolle Umgebung, den Zugang zu Wissen, euer Essen, den freizuegigen Wohnraum, euer Bett und natuerlich den kommenden Sommer! Julia.
 

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