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Mein Bericht
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Josepha-Stephanie

 Oktober 2005 - Mai 2006
Oktober 2005 - Mai 2006
Kommentare: 0
Berichtstext: Ladysmith am 25.November 2005 Ihr Lieben im kalten Europa, wir sind jetzt schon mehr als einen Monat hier in Suedafrika. Nun wollen wir euch berichten, wie es uns so ergangen ist, seit unserer Abreise. Wie die meisten von euch wissen, haben wir die erste Woche in Kapstadt verbracht und uns dort die Stadt mit ihrer wunderschoenen Umgebung angeschaut. Neben dem Tafelberg, Robben Island und dem Ozeanmuseum haben wir uns auch ein Bild von dem Leben in einem Township machen koennen. Townships nennt man die Gebiete, die meist vor den grossen Staedten liegen, in denen ausschliesslich Schwarze in Armut leben und in kleinen Huetten hausen. Insgesamt war diese Woche einfach traumhaft schoen und unsere Vorfreude auf unsere Arbeit in Ladysmith war voll von Optimismus bestimmt. Am 22. Oktober sind wir dann mit dem Bus von Kapstadt nach Ladysmith gestartet und hatten Glueck, dass unser Reisebus sehr modern ausgestattet war. Der Vorstellung nach sollte nun gleich eine interessante Afrikanische Landschaft an unserem Fenster vorbeiziehen, waehrend wir 19 Stunden im Bus sassen. Aber das war doch weit gefehlt! Schon kurz hinter Kapstadt begann die Steppe, welche dann nur selten mal durch eine kleine Stadt unterbrochen wurde, und sich ansonsten bis Ladysmith hinzog. Somit war das alles nicht so spannend, man hat eben nur Berge, Steine und verdorrte Pflanzen gesehen. Ab und zu waren in der Ferne ein paar Schafe zu erkennen und dann natuerlich am Abend der einzigartige Sonnenuntergang. Um sechs Uhr morgens des kommenden Tages erreichten wir dann endlich Ladysmith und damit begann gleichzeitig eine schwere Zeit fuer uns. Wir wurden von Tannie Moreen von dem Busstop abgeholt und es war schon morgens sehr heiss. Auf der Fahrt in das Kinderheim wurde uns bewusst, dass Ladysmith das Ende der Welt fuer uns bedeuten sollte! Wenn man von einer Kleinstadt spricht macht man aus einer Muecke einen Elefanten! Mit unserer Ankunft im neuen “Zu Hause” wurde uns auch unsere Wohnung gezeigt und schliesslich war es auch diese, die den 23.Oktober 2005 zu “Stephanies-unvergesslichem-20.Geburtstag” machte. Natuerlich fuer uns beide! Somit war es dann 8.00 Uhr morgens als wir beide am liebsten den Rueckflug angetreten haetten. Nachdem wir den Schock ueber unsere ”Stadt” und die Wohnung ohne Dusche einigermassen ueberwunden hatten, brachte man uns puenktlich um 12 Uhr unser Mittagessen! Und bei dem Anblick dessen schoss uns die Idee Vegetarier zu werden wie ein Pfeil durch den Kopf! So sehr wir auch jetzt darueber schmunzeln koennen, so froh sind wir aber auch diesen Tag und die darauffolgenden zwei Wochen hinter uns zu haben. Unsere Vorstellungen vor der Reise konnten nur enttaeuscht werden, wir hatten uns alles so traumhaft ausgemalt, aber im Grunde haben wir genau das vorgefunden, was man erwarten konnte. So ist es uns zwar erstmal sehr schwer gefallen uns an die hiesigen Gewohnheiten und bescheidenen Verhaeltnisse zu gewoehnen, doch mitlerweile haben wir alles angenommen, wie es ist, sind uns bewusst geworden, dass wir nur helfen, nicht veraendern koennen. Die 158 Kinder (im Alter von 1 bis 18 Jahren) leben nicht in einem grossen Kinderheim zusammen, sondern verteilt auf 10 Haeuser in kleinen Wohngemeinschaften von ca.15 Kindern und einer Hausmutter, die von ihnen “Tannie” (Afrikans: Tante) gerufen wird. Die Haeuser befinden sich alle auf einem umzaeunten Gelaende, auf dem sich ausser unserer Wohnung auch noch eine Kueche, eine haessliche Halle und ein Office befinden. Die Kinder beginnen ihren Tag um 5.30 Uhr und werden dann spaeter mit Kleinbussen zur Schule gefahren. Sie tragen Schuluniform und besuchen sowohl die Zuluschule (nur Schwarze und Farbige), als auch die Afrikanse und die Englische Schule. Vorwiegend wird hier Afrikans gesprochen, ja, wir lernen fleissig! Aber untereinander unterhalten sich manche auch in Zulu und einige in Englisch. Unsere Arbeit beginnt dann wenn die Kinder gegen 12.30Uhr aus der Schule kommen, dabei sind wir beide dann in verschiedenen Hauesern und sehen uns erst nach der nachmittaeglichen Studierzeit der Kinder wieder, wenn sie dann draussen auf einer Wiese spielen duerfen. Gegen 17 Uhr dann baden sich die Kinder und es gibt Abendessen, was jeden Abend Reis mit Sosse, Karotten oder Kuerbis und nicht zu vergessen Fleisch (nicht so fuer uns) bedeutet. Nach einer zweiten Studierstunde und dem Bibellesen bringen wir die Kinder dann ins Bett und beten und singen gemeinsam. Wenn wir uns dann in unserer Wohnung wiedersehen, wird es ganz gemuetlich! Wir werten zusammen den Tag aus und essen allseitsbewerte 2Minutennudeln von Heinz und dann gibt es Obstsalat. Same procedure as every day! Wir sind froh ein paar Stunden fuer uns zu haben, in denen wir uns gegenseitig vom Erlebten berichten koennen. Jeden Tag sind es neue schockierende Geschichten der Kinder, die wir erfahren und die uns belasten. Schwere Schicksale von Vergewaltigung und Misshandlung stehen hinter den kleinen Geschoepfen. Manche sprechen offen darueber, manche sind in sich gekehrt, aber immer sind wir sprachlos ueber so viel Leid. Dann tut es gut sich abends darueber auszutauschen. An den Wochenenden geht es uns richtig gut, wir haben schon einige Kontakte geknuepft und sind oft eingeladen. Besonders gerne sind wir mit Isolde und Hilmar, einem deutschsprachigen Ehepaar, zusammen. Wir machen dann Ausfluege, so dass wir auch die Umgebung mit den typischen Zuludoerfern und der einzigartigen Landschaft kennenlernen duerfen und vor allem etwas Abwechselung vom Alltag und nicht zu vergessen auch im Speiseplan haben! Isolde und Hilmar geben uns ein Stueck Familie, wo uns doch die eigene jeden Tag fehlt. Es sind nicht nur die aeusseren Umstaende zu Hause, sondern natuerlich im Besonderen das Familienleben, was wir bereits sehr schaetzen gelernt haben. Im Dezember und Januar, den Sommerferienmonaten, werden nur 30-40 Kinder hier sein und wir freuen uns darauf die Zeit zu gestalten und damit den Kindern ueber das traurige Weihnachten im Heim hinweghelfen zu koennen. Darueber werden wir euch spaeter berichten. Nun habt ihr schon die ersten Eindruecke bekommen, es gaebe noch so viel mehr! Ihr seht also, dass es uns doch recht gut geht, auch wenn es immer mal wieder schwierige Stunden gibt, so helfen wir uns gegenseitig und nehmen auch einiges einfach mit Humor. Ganz einig sind wir uns darin, dass wir das alleine nicht schaffen wuerden und sind taeglich froh darueber den anderen zu haben. Wir gruessen euch ganz herzlich und wuenschen euch einen schoenen Advent, der fuer uns dieses Jahr irgendwie ausfaellt. Macht aber nichts, denn dafuer gibt es ja noch so viele weitere! Eure Josepha und eure Stephanie
 

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